Florjan Lipuš über Peter Handke anläßlich der Rizzi-Preisverleihung
04.12.2010
Der Gedanke an Peter Handke führt einen unweigerlich an jenen Ort und in jene Zeit zurück, als einige schon wussten, dass dieser Zögling aus Griffen bald das Literaturleben im deutschen Sprachraum gründlich verändern wird. Und nicht nur im deutschen Sprachraum, auch das slowenische literarische Schreiben hierorts ist mit seinem Namen verbunden. Von allem Anfang an ist auch die slowenische Sprache ein wichtiger Teil Handkes geistiger Welt, sie begleitet ihn auf irgendeine Weise durch alle Zeiten und Phasen. Wir befinden uns in Tanzenberg, im Knabenseminar der Diözese Gurk, im Zöglingsheim der eigenen Art, und in der Zeit der Gymnasialjahre, aber auch nur wenige Jahre nach der Zeit böser, unmenschlicher Ereignisse, die in damaligen Menschen ihre deutliche Spuren zurückgelassen haben. Aufgeweckte Menschen, meistens Pfarrer und Kapläne, beschickten Tanzenberg mit Zöglingen, damit diese später ihre Reihen auffüllen würden, was in vielen Fällen auch glückte. Für Kinder mittelloser Eltern war Tanzenberg die einzige Möglichkeit, dem Beruf des Holzknechts und Bauern zu entgehen. Zusammengesucht aus allen Ecken Kärntens waren wir eine zahme, angepasste Herde, geübt in Gehorsam und Untertänigkeit, gar viele waren dankbar dafür, dass sie der harten Bauernarbeit zu Hause entfliehen konnten, wenigstens für einige Zeit den Unglücken in den Familien, den Familientraumata aus dem Weg gehen konnten. In dieser angesammelten Gemeinschaft konnte man sich gut verstecken und sich von anderen abgrenzen, man konnte unbemerkt und unsichtbar bleiben. So ist mir diese gewaltige Menschenmasse der ersten Tage in Tanzenberg im Gedächtnis geblieben. Aus dieser unpersönlichen Masse stach damals einzig Peter Handke hervor, kein anderer Name unter den jüngeren Zöglingen ist mir erinnerlich geblieben. Peter Handke sehe ich heute noch vor mir, wie er ernst und allein und in Gedanken versunken an den Mitschülern vorbei schreitet, mit einem Buch unter dem Arm, und den Hügel am Rande des Fußballfeldes ansteuert. Dort setzt er sich nieder und vertieft sich ins Lesen. Auch sonst und andernorts sind Bücher Handkes treue Begleiter, sind sein Erkennungszeichen, sind Ersatz für alles andere. Während andere die Langeweile und das Heimweh auf Spielplätzen vertreiben, sucht Einzelgänger Handke die Einsamkeit und die Stille. Wenn er nicht gerade liest oder lernt, denn er ist Vorzugsschüler vom ersten Tag an bis zum letzten, so beschreitet er, meistens allein, die weitläufigen Wege um Tanzenberg. Jahre später wird er über Dörfer und Felder, durch einsame Landschaften, auch durch den slowenischen Karst, wandern.
Begegnungen gab es keine, wir kannten uns nicht einmal, gesellig war die Zeit nicht, wir wussten vielleicht um Orte und Täler, aus denen wir kamen. Jedes Dorf verkehrte mit seinesgleichen, auch die slowenischen Zöglinge hatten ihre eigene Familie. Den scheuen und verängstigten, schweigenden Kindern der damaligen Zeit lag nicht an Annäherung und am großen Anknüpfen von Kontakten. Das unmittelbare Umfeld selbst förderte diese Vorbehalte und bestärkte die Schüchternheit und Scheu auch der meisten anderen. Auch das Marianum in Tanzenberg war nur eine von den vielen Niederlassungen der österreichischen Nachkriegslüge, eine Nebenstelle des Verschweigens und Verdrängens. Auch das bischöfliche Internat und die Schule waren zur Tagesordnung übergegangen, hatten sozusagen über Nacht aus den vergangenen guten Zeiten hinübergewechselt zu den zukünftigen guten Zeiten, als ob nur einige Jahre zuvor überhaupt nichts geschehen wäre, als ob es keinen Naziterror, keine mitgebrachten Ängste, keine Verfolgungen, Aussiedlung und Konzentrationslager gegeben hätte. Als ob nicht jeder zweite Zögling seelische Kriegsschäden erlitten hätte und, in allem allein, sich selbst überlassen, seine Wunden heilen musste, so gut er konnte.
Peter Handke kam im Herbst 1954 nach Tanzenberg und verließ das Internat nach fünf Jahren. Mit dem Abgang riß diese unsichtbare, unbemerkte, stille geistige Verbindung mit Peter Handke für eine Reihe von Jahren ab.
Von ihm hörte ich wieder, als er zu veröffentlichen begann und seine Bücher erschienen. Sie häuften sich, sein Ruhm wuchs und breitete sich über Nacht aus, schon mit jungen Jahren reihte er sich unter die Gestalter und Schöpfer der deutschen Sprache ein. Seine öffentlichen Auftritte widerhallten unüberhörbar in der österreichischen und deutschen Öffentlichkeit. Jeder Handke-Auftritt war ein Ereignis für sich und lockte Menschenmengen an. Jetzt trug er nicht mehr fremde Bücher mit sich unter der Achsel, jetzt schrieb er die Bücher selbst. Peter Handke, der seine literarische Laufbahn auf diesem sanften Hügel am Fuße der altehrwürdigen Festung von Tanzenberg begann, erstieg indes hohe weite Berge und bewegt sich heute im literarischen Hochgebirge. Er ist aus Eigenem, aus eigener Kraft, ohne jede fremde Hilfe, ohne Seilschaft, zum Kletterer durch das literarische Hochgebirge geworden.
Jetzt macht sich so mancher, mit Handkes Buch unter der Achsel, auf die Suche nach seinem Platz auf seinem Hügel.
Als Peter Handke bereits bekannt und berühmt war, geschah es, dass er zusammen mit Helga Mračnikar die mit Tanzenberg eng verbundene slowenische Geschichte vom Tjaž ins Deutsche übersetzte. Peter Handke übersetzte schon immer, übersetzte aus der Bewegtheit seines Geistes heraus, aus Freude an Sprachen und der Arbeit an ihnen und mit ihnen. Die Gegenwart zweier Sprachen in der Kindheit, die Tatsache, daß er im Elternhaus in zwei Sprachen aufwachsen konnte, hat den Zugang nicht nur erleichtert, sondern hat ihn dazu beflügelt. Zu beneiden die Kinder, die von den Eltern mit zwei oder drei Sprachen ausgestattet werden! Von den ersten Jahren auf dem Gymnasium an übersetzte Peter Handke die antiken Sprachen. Manch einer Übersetzung aber mag auch die Erkenntnis zugrunde liegen, nämlich daß man zahlreichen Autoren auf diesem Planeten vorbehaltlos eine größere Bedeutung, vielleicht auch Weltrang zuerkennen würde, schrieben sie in einer anderen Sprache, in der Sprache der sogenannten großen Nationen. Peter Handke stellte sich auf die Seite der Kleinen und Schwachen und kam ihrer Sprache zu Hilfe, »und immer noch halte ich mit den Verlierern«, schreibt er selbst im Buch »Immer noch Sturm«. Anläßlich der Tjaž-Übersetzung veranstaltete der Residenz Verlag eine Lese- und Vorstellungstournee in Deutschland, bei der Peter Handke dem slowenischen Buch den Weg in eine größere Welt bereitete. Der Andrang an diesen Veranstaltungen war gewaltig, die Reihen derer, die gerne im Saal gewesen wären, reichten hinaus auf die Straßen. In Erinnerung bleibt mir auch die heftige, stürmische Veranstaltung in Klagenfurt, im Kleinmayer-Saal, wo die Buchpräsentation für die heimische Leserschaft vonstatten ging, und die sich mehr als Veranstaltung zur Beseitigung der Schranken in den Köpfen entpuppte. Der Schriftsteller und freie Denker Peter Handke, Kenner sowohl der griechischen und lateinischen Sprache, als auch der zeitgemäßen europäischen Sprachen, zählt zu jenen, die mit ihren Handlungen und mit ihrer Haltung geistige Grenzen auslöschen, neue Maßstäbe setzen, den großen europäischen Kulturraum beeinflussen und beunruhigen und bereichern und aufregen.
Peter Handke konnte verwirklichen, was seine Berufung war. Auf der Suche nach sich selbst ist er Schriftsteller geworden, man kann auch sagen: um das Leben auszuhalten. Das Schreiben ist zum Selbstschutz und zum Schutz vor der Außenwelt geworden. Wie immer die Gesellschaft auf seine Sichtweise und sein Kulturverständnis reagierte, auf seine persönliche Einstellung zu gesellschaftlichen und sonstigen Ereignissen, auf sein Schreiben und sein Auftreten, Peter Handke bezog immer klare Front, blieb immer sich selbst treu, beschritt neue, auch gewagte Wege, folgte beharrlich seinem Ziel, seiner inneren Stimme. Allein schon diese aufrechte menschliche Haltung verdient Anerkennung, und erst recht sein literarisches Opus, - dieses im Bewusstsein der Tatsache, dass die Handkesche Bücherzählung für die Fachwelt und sonstige Leserschaft nur zu einem Fest werden kann. Der Preis, benannt nach dem Humanisten und Verfechter der Gerechtigkeit unter Sprachen, Vinzenz Rizzi, ist der Versuch einer slowenischen Verneigung, er ist das Zeichen unserer aller Hochachtung vor Handkes Werk!
Begegnungen gab es keine, wir kannten uns nicht einmal, gesellig war die Zeit nicht, wir wussten vielleicht um Orte und Täler, aus denen wir kamen. Jedes Dorf verkehrte mit seinesgleichen, auch die slowenischen Zöglinge hatten ihre eigene Familie. Den scheuen und verängstigten, schweigenden Kindern der damaligen Zeit lag nicht an Annäherung und am großen Anknüpfen von Kontakten. Das unmittelbare Umfeld selbst förderte diese Vorbehalte und bestärkte die Schüchternheit und Scheu auch der meisten anderen. Auch das Marianum in Tanzenberg war nur eine von den vielen Niederlassungen der österreichischen Nachkriegslüge, eine Nebenstelle des Verschweigens und Verdrängens. Auch das bischöfliche Internat und die Schule waren zur Tagesordnung übergegangen, hatten sozusagen über Nacht aus den vergangenen guten Zeiten hinübergewechselt zu den zukünftigen guten Zeiten, als ob nur einige Jahre zuvor überhaupt nichts geschehen wäre, als ob es keinen Naziterror, keine mitgebrachten Ängste, keine Verfolgungen, Aussiedlung und Konzentrationslager gegeben hätte. Als ob nicht jeder zweite Zögling seelische Kriegsschäden erlitten hätte und, in allem allein, sich selbst überlassen, seine Wunden heilen musste, so gut er konnte.
Peter Handke kam im Herbst 1954 nach Tanzenberg und verließ das Internat nach fünf Jahren. Mit dem Abgang riß diese unsichtbare, unbemerkte, stille geistige Verbindung mit Peter Handke für eine Reihe von Jahren ab.
Von ihm hörte ich wieder, als er zu veröffentlichen begann und seine Bücher erschienen. Sie häuften sich, sein Ruhm wuchs und breitete sich über Nacht aus, schon mit jungen Jahren reihte er sich unter die Gestalter und Schöpfer der deutschen Sprache ein. Seine öffentlichen Auftritte widerhallten unüberhörbar in der österreichischen und deutschen Öffentlichkeit. Jeder Handke-Auftritt war ein Ereignis für sich und lockte Menschenmengen an. Jetzt trug er nicht mehr fremde Bücher mit sich unter der Achsel, jetzt schrieb er die Bücher selbst. Peter Handke, der seine literarische Laufbahn auf diesem sanften Hügel am Fuße der altehrwürdigen Festung von Tanzenberg begann, erstieg indes hohe weite Berge und bewegt sich heute im literarischen Hochgebirge. Er ist aus Eigenem, aus eigener Kraft, ohne jede fremde Hilfe, ohne Seilschaft, zum Kletterer durch das literarische Hochgebirge geworden.
Jetzt macht sich so mancher, mit Handkes Buch unter der Achsel, auf die Suche nach seinem Platz auf seinem Hügel.
Als Peter Handke bereits bekannt und berühmt war, geschah es, dass er zusammen mit Helga Mračnikar die mit Tanzenberg eng verbundene slowenische Geschichte vom Tjaž ins Deutsche übersetzte. Peter Handke übersetzte schon immer, übersetzte aus der Bewegtheit seines Geistes heraus, aus Freude an Sprachen und der Arbeit an ihnen und mit ihnen. Die Gegenwart zweier Sprachen in der Kindheit, die Tatsache, daß er im Elternhaus in zwei Sprachen aufwachsen konnte, hat den Zugang nicht nur erleichtert, sondern hat ihn dazu beflügelt. Zu beneiden die Kinder, die von den Eltern mit zwei oder drei Sprachen ausgestattet werden! Von den ersten Jahren auf dem Gymnasium an übersetzte Peter Handke die antiken Sprachen. Manch einer Übersetzung aber mag auch die Erkenntnis zugrunde liegen, nämlich daß man zahlreichen Autoren auf diesem Planeten vorbehaltlos eine größere Bedeutung, vielleicht auch Weltrang zuerkennen würde, schrieben sie in einer anderen Sprache, in der Sprache der sogenannten großen Nationen. Peter Handke stellte sich auf die Seite der Kleinen und Schwachen und kam ihrer Sprache zu Hilfe, »und immer noch halte ich mit den Verlierern«, schreibt er selbst im Buch »Immer noch Sturm«. Anläßlich der Tjaž-Übersetzung veranstaltete der Residenz Verlag eine Lese- und Vorstellungstournee in Deutschland, bei der Peter Handke dem slowenischen Buch den Weg in eine größere Welt bereitete. Der Andrang an diesen Veranstaltungen war gewaltig, die Reihen derer, die gerne im Saal gewesen wären, reichten hinaus auf die Straßen. In Erinnerung bleibt mir auch die heftige, stürmische Veranstaltung in Klagenfurt, im Kleinmayer-Saal, wo die Buchpräsentation für die heimische Leserschaft vonstatten ging, und die sich mehr als Veranstaltung zur Beseitigung der Schranken in den Köpfen entpuppte. Der Schriftsteller und freie Denker Peter Handke, Kenner sowohl der griechischen und lateinischen Sprache, als auch der zeitgemäßen europäischen Sprachen, zählt zu jenen, die mit ihren Handlungen und mit ihrer Haltung geistige Grenzen auslöschen, neue Maßstäbe setzen, den großen europäischen Kulturraum beeinflussen und beunruhigen und bereichern und aufregen.
Peter Handke konnte verwirklichen, was seine Berufung war. Auf der Suche nach sich selbst ist er Schriftsteller geworden, man kann auch sagen: um das Leben auszuhalten. Das Schreiben ist zum Selbstschutz und zum Schutz vor der Außenwelt geworden. Wie immer die Gesellschaft auf seine Sichtweise und sein Kulturverständnis reagierte, auf seine persönliche Einstellung zu gesellschaftlichen und sonstigen Ereignissen, auf sein Schreiben und sein Auftreten, Peter Handke bezog immer klare Front, blieb immer sich selbst treu, beschritt neue, auch gewagte Wege, folgte beharrlich seinem Ziel, seiner inneren Stimme. Allein schon diese aufrechte menschliche Haltung verdient Anerkennung, und erst recht sein literarisches Opus, - dieses im Bewusstsein der Tatsache, dass die Handkesche Bücherzählung für die Fachwelt und sonstige Leserschaft nur zu einem Fest werden kann. Der Preis, benannt nach dem Humanisten und Verfechter der Gerechtigkeit unter Sprachen, Vinzenz Rizzi, ist der Versuch einer slowenischen Verneigung, er ist das Zeichen unserer aller Hochachtung vor Handkes Werk!
Florjan Lipuš in der Kleinen Zeitung vom 22.05.2010
23.05.2010
Kultur, nicht Politik!
Es soll nicht geleugnet werden, dass sinkende Zahlen der slowenischen Volksgruppe in Kärnten seit der Volksabstimmung 1920 von Amts wegen öffentlich gewollt werden und dass diesem Bestreben zwanzig Jahre später tätlich und tödlich nachgeholfen wurde, doch am Schwund war die Volksgruppe selbst entscheidend mitbeteiligt. Gewiß, das Bestreben der Kärntner Politik war die Aufspaltung der Volksgruppe, doch diese half dabei tatkräftig mit. Sie opferte ihre Einheit, indem sie sich Ideologien hingab, indem in der Folge dann jeder Teil seine ideologische Ausrichtung über das Ganze stellte. Doch kann man diese Entwicklung aus der Zeit heraus noch verstehen, die Slowenen, teils von Kriegsereignissen überrumpelt, teils verführt und instrumentalisiert, mussten zwischen Überlebensmöglichkeiten entscheiden. Dem vorausgehend kann auch festgehalten werden: Weltoffenheit, Aufklärung und Weitsicht, Duldsamkeit wurden weder vom Staat noch von den Kirchen gefördert, daher haben auch die Menschen von Friedfertigkeit und Großmut nie viel gehalten.
Sollten wir heute als Volksgruppe überleben, so werden wir uns aus dieser Geschichtsklammer notgedrungen befreien und den Pluralismus, die weltanschauliche Vielgestaltigkeit, als einzige Möglichkeit des Überlebens erkennen müssen. Sind wir dazu fähig? Der konservativ erzkatholische Teil ist es bis in die heutige Zeit hinein nicht. Wenn schon der Kärntner Heimatdienst eine Änderung im Denken vorgenommen hat, was ich für überragend und bahnbrechend halte, wenn schon die Vernunft bei den meisten Menschen eine Entwicklung erfahren hat, dann kann man dieses beim Rat der Kärntner Slowenen bisher nicht feststellen. Die Selbstdarsteller, wie sie sich im Rat der letzten Jahre angesammelt haben, legten die Prioritäten und Interessen offen: Der Erhalt der Volksgruppe als Ganzheit war es nicht, der Erhalt der eigenen Pfründe war es wohl. Der Rat, auf ideologische Vorteile und Sendungseinbildung bedacht, hielt sich für die einzig legitimen Vertreter der Volksgruppe, für die einzig richtigen Slowenen, und glaubte, über alle und alles bestimmen zu können. Die anstehenden Veränderungen im Rat sind vielversprechend. Es ist zu hoffen, dass die neue Führung Offenheit und Kompetenz zeigt und wir aufhören, uns mit Politik lächerlich zu machen.
Soll die Volksgruppe als Volksgruppe überleben, so sind weltanschauliche Unterschiede weiterhin erwünscht und Gruppierungnen willkommen, im Interesse der auch vom Nachbarn geforderten Vielfalt, doch unabdingbar grundlegend dabei ist die Gleichberechtigung zwischen ihnen. Die einfache menschliche Wahrhaftigkeit, die Wertschätzung, die Redlichkeit, die Anständigkeit tun es auch.
Doch bei all dem sollten wir uns alle, gleich welcher geistigen Ausrichtung, bewusst sein, dass die Volksgruppe ihren Weiterbestand nur auf Kultur aufbauen kann und dass politische Betätigungen nur den Rang einer Nebensächlichkeit einnehmen können. Wie haben die Sprache zu verlieren. Wäre es nicht angebracht, wir Slowenen erklären die Sprache zum festen und einzigen Grundstein der Einheit?
Und reden nicht nur, sondern handeln danach.
Es soll nicht geleugnet werden, dass sinkende Zahlen der slowenischen Volksgruppe in Kärnten seit der Volksabstimmung 1920 von Amts wegen öffentlich gewollt werden und dass diesem Bestreben zwanzig Jahre später tätlich und tödlich nachgeholfen wurde, doch am Schwund war die Volksgruppe selbst entscheidend mitbeteiligt. Gewiß, das Bestreben der Kärntner Politik war die Aufspaltung der Volksgruppe, doch diese half dabei tatkräftig mit. Sie opferte ihre Einheit, indem sie sich Ideologien hingab, indem in der Folge dann jeder Teil seine ideologische Ausrichtung über das Ganze stellte. Doch kann man diese Entwicklung aus der Zeit heraus noch verstehen, die Slowenen, teils von Kriegsereignissen überrumpelt, teils verführt und instrumentalisiert, mussten zwischen Überlebensmöglichkeiten entscheiden. Dem vorausgehend kann auch festgehalten werden: Weltoffenheit, Aufklärung und Weitsicht, Duldsamkeit wurden weder vom Staat noch von den Kirchen gefördert, daher haben auch die Menschen von Friedfertigkeit und Großmut nie viel gehalten.
Sollten wir heute als Volksgruppe überleben, so werden wir uns aus dieser Geschichtsklammer notgedrungen befreien und den Pluralismus, die weltanschauliche Vielgestaltigkeit, als einzige Möglichkeit des Überlebens erkennen müssen. Sind wir dazu fähig? Der konservativ erzkatholische Teil ist es bis in die heutige Zeit hinein nicht. Wenn schon der Kärntner Heimatdienst eine Änderung im Denken vorgenommen hat, was ich für überragend und bahnbrechend halte, wenn schon die Vernunft bei den meisten Menschen eine Entwicklung erfahren hat, dann kann man dieses beim Rat der Kärntner Slowenen bisher nicht feststellen. Die Selbstdarsteller, wie sie sich im Rat der letzten Jahre angesammelt haben, legten die Prioritäten und Interessen offen: Der Erhalt der Volksgruppe als Ganzheit war es nicht, der Erhalt der eigenen Pfründe war es wohl. Der Rat, auf ideologische Vorteile und Sendungseinbildung bedacht, hielt sich für die einzig legitimen Vertreter der Volksgruppe, für die einzig richtigen Slowenen, und glaubte, über alle und alles bestimmen zu können. Die anstehenden Veränderungen im Rat sind vielversprechend. Es ist zu hoffen, dass die neue Führung Offenheit und Kompetenz zeigt und wir aufhören, uns mit Politik lächerlich zu machen.
Soll die Volksgruppe als Volksgruppe überleben, so sind weltanschauliche Unterschiede weiterhin erwünscht und Gruppierungnen willkommen, im Interesse der auch vom Nachbarn geforderten Vielfalt, doch unabdingbar grundlegend dabei ist die Gleichberechtigung zwischen ihnen. Die einfache menschliche Wahrhaftigkeit, die Wertschätzung, die Redlichkeit, die Anständigkeit tun es auch.
Doch bei all dem sollten wir uns alle, gleich welcher geistigen Ausrichtung, bewusst sein, dass die Volksgruppe ihren Weiterbestand nur auf Kultur aufbauen kann und dass politische Betätigungen nur den Rang einer Nebensächlichkeit einnehmen können. Wie haben die Sprache zu verlieren. Wäre es nicht angebracht, wir Slowenen erklären die Sprache zum festen und einzigen Grundstein der Einheit?
Und reden nicht nur, sondern handeln danach.
Glückwünsche des Europahauses
23.10.2009
Europahaus Klagenfurt
An die
Kärntner Konsensgruppe
Sehr geehrte Herren!
Mit dem "Verfassungspreis 2009", der im Dezember verlieghen wird, erntet die Kärntner Konsensgrupope nach dem "Europäischen Bürgerpreis" und dem "Kulturpreis der Stadt Villach" nun zum dritten Mal die Früchte ihrer Beispiel gebenden Anregungen in Form einer hohen Auszeichnung. Dazu möchten wir Ihnen allen ganz herzlich gratulieren!
Wir halten Ihre gemeinsame versöhnliche Arbeit für wichtig und zukunftsweisend für ein prosperierendes und freidlich geeintes Europa. In Vielfalt geeint - auf Slowenisch Združeni v raznolikosti - lautet nicht von ungefähr der Leitspruch der Europäischen Union, deren Keimzelle die respektvolle Begegnung der Menschen aus verschiedenen Regionen, Traditionen, Kulturen und Sprachkreisen untereinander ist.
In diesem Sinne wünschen wir Ihnen weiterhin ein gutes Vorankommen in ihrem Bestreben zur Aussöhnung der einstigen Gegner und wir sind überzeugt, dass die freigehaltenen Plätze in ihrer Konsensgruppe bald besetzt sein werden.
Wir gratulieren Ihnen nochmals zur offiziellen Anerkennung Ihrer Bemühungen um ein friedvolles Miteinander im Herzen Europas und verbleiben
mit besten Grüßen
Labg.Bgm.a.d. Nikolaus Lanner Manfred Wallner
Vorstandsvorsitzender Geschäftsführer
An die
Kärntner Konsensgruppe
Sehr geehrte Herren!
Mit dem "Verfassungspreis 2009", der im Dezember verlieghen wird, erntet die Kärntner Konsensgrupope nach dem "Europäischen Bürgerpreis" und dem "Kulturpreis der Stadt Villach" nun zum dritten Mal die Früchte ihrer Beispiel gebenden Anregungen in Form einer hohen Auszeichnung. Dazu möchten wir Ihnen allen ganz herzlich gratulieren!
Wir halten Ihre gemeinsame versöhnliche Arbeit für wichtig und zukunftsweisend für ein prosperierendes und freidlich geeintes Europa. In Vielfalt geeint - auf Slowenisch Združeni v raznolikosti - lautet nicht von ungefähr der Leitspruch der Europäischen Union, deren Keimzelle die respektvolle Begegnung der Menschen aus verschiedenen Regionen, Traditionen, Kulturen und Sprachkreisen untereinander ist.
In diesem Sinne wünschen wir Ihnen weiterhin ein gutes Vorankommen in ihrem Bestreben zur Aussöhnung der einstigen Gegner und wir sind überzeugt, dass die freigehaltenen Plätze in ihrer Konsensgruppe bald besetzt sein werden.
Wir gratulieren Ihnen nochmals zur offiziellen Anerkennung Ihrer Bemühungen um ein friedvolles Miteinander im Herzen Europas und verbleiben
mit besten Grüßen
Labg.Bgm.a.d. Nikolaus Lanner Manfred Wallner
Vorstandsvorsitzender Geschäftsführer


