govor na prireditvi KHD
24.04.2010
dr. Marjan Sturm
Es gilt das gesprochene Wort!
Sehr geehrte Damen und Herren!
Spoštovane dame in gospodje!
Ich hab es mir nicht leicht gemacht, der Einladung des Obmannes des Kärntner Heimatdienstes Dr. Josef Feldner zu folgen, anlässlich des 90. Jahrestages des historischen Heimatdienstes einige Worte zu sprechen. Einmal deswegen, weil ich mütterlicherseits dahingehend vorbelastet bin, dass sich das 20. Jahrhundert sehr traumatisch in der Familiengeschichte niedergeschlagen hat und andererseits deshalb, weil Teile meine Volksgruppe dem sehr kritisch entgegenstehen. Ich habe mich trotzdem dafür entschieden.
Teile meiner Verwandtschaft haben im Jahre 1920 für das Königreich SHS agitiert, ein Onkel-Priester hat danach Kärnten verlassen müssen. Ein angeheirateter Onkel hat Mauthausen nicht überlebt, ein weiterer Onkel hat Dachau durchgemacht. Meine Familie wurde 1942 vertrieben und eine Schwester, die ich nicht kennenlernen durfte, ist in der Vertreibung als 7-jähriges Mädchen ums Leben gekommen. Meine Mutter hat über all diese Ereignisse nie gesprochen, ich habe sie als eine gebrochene Frau erlebt. Erst im Zuge meiner Aktivitäten als aufmüpfiger Schüler und Student, beeinflusst von den Ausläufern der 68-Bewegung, hat sie über ihr Leben erzählt, davon dass sie als 14-jährige die Zeit des Abwehrkampfes erlebte, den aufkommenden Nationalsozialismus und dann die Vertreibung und den Verlust ihrer Tochter. Sie hat mir ihr Leben als Warnung geschildert, doch um Gottes Willen nicht in die Politik zu gehen, sie meinte die Volksgruppenpolitik. Diese erlebte sie als eine permanente Demütigung und Reduktion. In der Wahrnehmung der Geschichte wurden diese Ereignisse des 20. Jahrhunderts in meiner Familie kausal als Rache für das Engagement von 1920 gesehen und oft mit der Politik des Kärntner Heimatdienstes oder Heimatbundes in Zusammenhang gebracht. Die Erstellung der Listen der Auszusiedelnden unter Mitwirkung des damaligen Obmannes des Kärntner Heimatbundes, Maier-Kaibitsch, wurde dabei ebenso erwähnt, wie auch die Agitationen des Kärntner Heimatdienstes gegen das zweisprachige Schulwesen im Jahre 1957/58 oder die Agitation für die Segregation nach sprachlich-ethnischen Kriterien in den 80-er Jahren, dass das Klima im Lande nachhaltig vergiftete. Tatsächlich ist die schwarz-weiß-Agitation des KHD über weite Strecken als gehässig und zutiefst beleidigend wahrgenommen worden.
Am 28. September 1920 hat die vorläufige Kärntner Landesversammlung festgehalten:
„Sie erklärt daher im Bewußtsein der verantwortungsvollen Stunde namens der von ihr vertretenen Bevölkerung, daß sie den slowenischen Landsleuten ihre sprachliche und nationale Eigenart jetzt und alle Zeit wahren will und daß sie deren geistigem und wirtschaftlichem Aufblühen dieselbe Fürsorge angedeihen lassen wird wie den deutschen Bewohnern des Landes“.
Nur zwei Beispiele: Bei der Volkszählung 1910 gab es z.B. in Keutschach 85 Bürger mit deutsche Umgangssprache und 1081 mit slowenischer Umgangssprache; in Griffen lebten 841 Bewohner mit deutscher Umgangssprache und 2344 mit slowenischer Umgangssprache.
Wenn wir diese Zahlen mit den heutigen vergleichen, dann kann man erkennen, dass tatsächlich hier etwas passiert ist, worüber wir reden müssen, offen und ehrlich. Ich weiß schon, dass man die Geschichte nicht zurückdrehen kann, aber daraus sollten wir lernen, auf beiden Seiten.
Ich habe mich entschieden der Einladung des Obmannes des KHD zu folgen. Warum?
Die deutsche Psychoanalytikerin Thea Bauriedl hat in ihrem Beitrag: Die Angst vor der Vergangenheit und die Unfähigkeit zu trauern Folgendes festgehalten:
„Die Revolution der Trauerarbeit besteht nicht darin, dass die bisher Unterdrückten jetzt endlich an die Macht kommen, dass also die Herrschaftsverhältnisse nur umgekehrt werden. Die Revolution der Trauerarbeit beruht auf der schrittweisen Auflösung der Spaltung zwischen Gut und Böse, zwischen Freund und Feind. Das macht es nötig, sich vollständig (und immer wieder) neu zu orientieren. Die alte Orientierung bestand in der Trennung von Tätern und Opfern. Das diente dazu, dass jeder sich selbst jeweils zu den Guten, und das sind zumeist die Opfer, zählen konnte“. Und weiter noch eine wichtige Erkenntnis von Thea Bauriedl: „Der einzelne muss sich vorstellen können, dass er potentieller Täter und potentielles Opfer von Vernichtung ist“.
Welche Schlussfolgerung ziehe ich aus obigem Zitat in Verbindung mit der Zeit, über die wir heute sprechen?
Zuerst einmal die, dass das Gespräch, der Dialog die entscheidende Voraussetzung für Lösungen von Problemen und Konflikten ist. Tatsächlich haben wir uns durch das Gespräch geändert, sowohl der KHD unter der Obmannschaft des Josef Feldner als auch der ZSO unter meiner Obmannschaft. Wir haben erkannt, dass es darum geht miteinander offen zu reden und dabei haben wir Erkenntnisse gewonnen, die wir ohne das Gespräch, ohne einen Dialog nie gewonnen hätten.
Zweitens, dass man dabei Empathie für den anderen entwickelt, sich in den anderen hineindenkt, ihn versucht zu verstehen, warum er gerade so denkt, wie er denkt.
Drittens, dass daraus ein zivilisierter Dialog entsteht. Das muss noch nicht bedeuten, dass man in allen Fragen einer Meinung ist, es bedeutet aber das ernsthafte Bemühen an den Tag zu legen, konstruktiv miteinander in Wort und Schrift umzugehen.
Wir haben in der Konsensgruppe diese drei Grundsätze umgesetzt und gezeigt, dass tiefe Gräben wenn schon nicht überwunden, so doch seichter und überwindbarer gemacht werden können. Voraussetzung hierfür war die Erkenntnis des KHD, dass rechtsstaatliche Normen umgesetzt werden müssen und dass eine Nulllösung bei der Ortstafelfrage nicht aufrecht erhaltbar ist. Auf meiner Seite war die Voraussetzung die, dass man die Position „mit dem KHD redet man nicht“ aufgibt und sich auf das Wagnis des Gespräches einlässt. Gemeinsam war unsere Überzeugung, dass wer Veränderung will, sich auch selbst ändern muss.
Ich bereue diesen Schritt nicht. Und ich glaube auch, dass dieser Schritt zum Gespräch und Dialog irreversibel geworden ist.
Eine Strategie des Dialogs darf sicherlich nicht dafür benutzt werden, die konkrete Konfliktlösung zu vermeiden oder weiter aufzuschieben. Sie darf schon gar nicht dafür benutzt werden, stattdessen Konsens oder Versöhnung als Ersatz für Konfliktlösung einzufordern. Das ist offensichtlich auch die Angst mancher Gegner des Dialogs, und wir wollen es als Warnung respektieren. Tatsächlich hat die Perspektive der „Versöhnung“ eine tragfähige Konfliktlösung zur Voraussetzung, die von möglichst allen Konfliktparteien akzeptiert werden muss, wenn sie nachhaltig sein soll.
Man kann den Dialog mit dem Kärntner Heimatdienst natürlich ablehnen. Die Einstellungen und Haltungen, die hinter dieser Ablehnung stehen, sind historisch verstehbar. Sie beruhen auch auf Einschätzungen, dass ein Dialog mit dem Kärntner Heimatdienst aufgrund der Mehrheits- und Machtverhältnisse in Kärnten die Verteidigung der Rechte der Slowenen schwächt oder zumindest Schwäche signalisiert, dass man durch den Dialog selbst die eigenen Positionen und Ziele verrät oder nicht scharf genug zum Ausdruck bringt, dass der Dialog missbraucht werden könnte, oder nur dazu dient, um vom Aufbau neuer Feindbilder abzulenken. Aber gerade weil die Machtverhältnisse zwischen Mehrheit und Minderheit völlig asymmetrisch sind, kann die Minderheit aus meiner Sicht mit solchen Einstellungen und Haltungen nur verlieren.
Die Verweigerung des Dialogs mit den „Heimatverbänden“ wird im Geiste des Antifaschismus geführt. Es gibt allerdings auch Antifaschisten, die den Wert des Dialogs verteidigen. Rechte wie Linke waren im letzten Jahrhundert meistens auf der Seite von politischer Gewalt oder Gegengewalt und selten auf der Seite des Dialogs. Wenige haben bis heute die Erkenntnisse aus diesem Jahrhundert der Extreme und der Barbarei gezogen. Wenn man für den Dialog optiert, so scheint es, sitzt man zwischen den Stühlen. Und trotzdem, so glaube ich, ist der Dialog die einzige Strategie, die eine Konfliktbearbeitung ermöglicht, die nachhaltig ist und von allen Konfliktparteien akzeptiert wird. Ob diese Auffassung stimmt, kann nur die Geschichte zeigen.
Ich stehe nicht für „naive“ Formen des Dialogs, sondern plädiere für neue Methoden, die über die klassische Mediation oder Verhandlungen am Runden Tisch hinausgehen. Es geht auch um eine Bewusstmachung asymmetrischer Machtverhältnisse, kultureller und ideologischer Annahmen und Einstellungen, sowie biographisch-lebensgeschichtlicher Gewalterfahrungen, die auf komplexe Art und Weise zusammenwirken und eine kreative Konfliktbearbeitung behindern. Es braucht notfalls auch gewaltfreie Widerstandsaktionen seitens der Schwächeren, die allerdings erfolgreicher sein werden, wenn sie mit Kreativität und Dialog verbunden werden. Hier sei eine prinzipielle Anmerkung angebracht: ich lehne Bombenattentate als Mittel zur Durchsetzung politischer Ziele prinzipiell ab und daher erwarte ich auch, dass die in den letzten Tagen und Wochen aufgetauchten Diskussionen über die Bombenattentate der 70-er Jahre auch restlos aufgeklärt werden.
Ein Dialog nach meinem Verständnis führt über ein besseres Verstehen der anderen auch immer mehr dazu, die eigene Wahrnehmung kritisch zu hinterfragen. Ein solcher Dialog strebt auch nicht danach, einen gemeinsamen Text, eine gemeinsame Konflikt- und Geschichtserzählung zu kreieren. Im Gegenteil: Widersprüche müssen erkannt und benannt werden, und auch negative Emotionen müssen wahrgenommen und transformiert werden.
Natürlich gibt es noch auf beiden Seiten Menschen, die diesem Prozess kritisch ungläubig entgegenstehen. Einerseits sind die Verletzungen der Vergangenheit noch immer da und andererseits wird wohl mit diesem Dialogprozess auch politisches Kleingeld gemacht. Das sollte uns aber nicht davon abhalten auch mit den Kritikern dieses Weges zu reden und in den Dialog zu treten.
Ich möchte zum Abschluss noch eine kleine Geschichte erzählen, die ich in der überzeugenden Diplomarbeit von Frau Mag. Monika Kuchar über Trauma, Vergebung und Versöhnung gelesen habe: der Hintergrund für die Versöhnungspolitik des ehemaligen südafrikanischen Präsidenten Mandela und des Bischofs Desmond Tutu, die durch die Wahrheits- und Versöhnungskommissionen in Südafrika einen völlig neuen Weg bei der Bewältigung von Gewalt und Apartheid gegangen sind, wird mit dem Begriff „ubuntu“ bezeichnet. Ubuntu ist das Gegenteil von „Auge um Auge und Zahn um Zahn“ und bedeutet wörtlich: „Ich bin – weil du bist“. Diese Philosophie kommt sehr gut in folgendem Gedicht aus Südafrika zum Ausdruck und ist Teil eines Schauspieles, das auf ein Märchen zurückgeht. In ihm verschlingt der Drache ein gesamtes Volk und schwillt davon so gewaltig an, dass er schließlich in den Passstraßen des Hochgebirges stecken bleibt. Von allen Menschen überlebt einzig Sekatana. Er ist mutterseelenallein auf der Welt, kann tun was er will, und dennoch wehklagt er mit lauter Stimme:
„ich kann mich selbst nicht finden
denn ich finde mich nicht bei den anderen
worüber soll ich mich freuen, wenn ich ganz alleine bin?
wovon soll ich befreit werden, wenn nur ich da bin?
warum sollte irgendetwas schön sein, wenn nur meine augen es sehen?
ihr seid es, die mein ich hervorrufen
ich bin es, der sein ich durch euch denkt
ihr denkt mein ich aus
ich wähle euch nicht
dass es euch gibt, erschafft mich
wir sind gemacht, mit anderen zu sein
oder wir werden hungrig bleiben mitten im überfluss“
Spoštovane dame in gospodje!
Živimo v 21. stoletju in stoletje nasilja in konfrontacij je za nami. Obrnimo novo stran na skupni poti sporazumevanja in sodelovanja, obogateno z izkušnjami iz preteklosti. To mora biti pot konstruktivnega sožitja, medsebojnega spoštovanja in razrešitev odprtih vprašanj sožitja.
Meine sehr geehrten Damen und Herren!
Dieser Gedanke „wir sind gemacht, mit anderen zu sein oder wir werden hungrig bleiben mitten im überfluss“ sollte unser Leitbild für die Zukunft sein. Gegenseitiger Respekt, sensibles Aufeinander-Zugehen, Lösung offener Fragen des Zusammenlebens, das ist heute Dienst an der Heimat, an der gemeinsamen Heimat.
Gehen wir diesen Weg nunmehr gemeinsam!
Danke für die Aufmerksamkeit. Hvala za pozornost!
Es gilt das gesprochene Wort!
Sehr geehrte Damen und Herren!
Spoštovane dame in gospodje!
Ich hab es mir nicht leicht gemacht, der Einladung des Obmannes des Kärntner Heimatdienstes Dr. Josef Feldner zu folgen, anlässlich des 90. Jahrestages des historischen Heimatdienstes einige Worte zu sprechen. Einmal deswegen, weil ich mütterlicherseits dahingehend vorbelastet bin, dass sich das 20. Jahrhundert sehr traumatisch in der Familiengeschichte niedergeschlagen hat und andererseits deshalb, weil Teile meine Volksgruppe dem sehr kritisch entgegenstehen. Ich habe mich trotzdem dafür entschieden.
Teile meiner Verwandtschaft haben im Jahre 1920 für das Königreich SHS agitiert, ein Onkel-Priester hat danach Kärnten verlassen müssen. Ein angeheirateter Onkel hat Mauthausen nicht überlebt, ein weiterer Onkel hat Dachau durchgemacht. Meine Familie wurde 1942 vertrieben und eine Schwester, die ich nicht kennenlernen durfte, ist in der Vertreibung als 7-jähriges Mädchen ums Leben gekommen. Meine Mutter hat über all diese Ereignisse nie gesprochen, ich habe sie als eine gebrochene Frau erlebt. Erst im Zuge meiner Aktivitäten als aufmüpfiger Schüler und Student, beeinflusst von den Ausläufern der 68-Bewegung, hat sie über ihr Leben erzählt, davon dass sie als 14-jährige die Zeit des Abwehrkampfes erlebte, den aufkommenden Nationalsozialismus und dann die Vertreibung und den Verlust ihrer Tochter. Sie hat mir ihr Leben als Warnung geschildert, doch um Gottes Willen nicht in die Politik zu gehen, sie meinte die Volksgruppenpolitik. Diese erlebte sie als eine permanente Demütigung und Reduktion. In der Wahrnehmung der Geschichte wurden diese Ereignisse des 20. Jahrhunderts in meiner Familie kausal als Rache für das Engagement von 1920 gesehen und oft mit der Politik des Kärntner Heimatdienstes oder Heimatbundes in Zusammenhang gebracht. Die Erstellung der Listen der Auszusiedelnden unter Mitwirkung des damaligen Obmannes des Kärntner Heimatbundes, Maier-Kaibitsch, wurde dabei ebenso erwähnt, wie auch die Agitationen des Kärntner Heimatdienstes gegen das zweisprachige Schulwesen im Jahre 1957/58 oder die Agitation für die Segregation nach sprachlich-ethnischen Kriterien in den 80-er Jahren, dass das Klima im Lande nachhaltig vergiftete. Tatsächlich ist die schwarz-weiß-Agitation des KHD über weite Strecken als gehässig und zutiefst beleidigend wahrgenommen worden.
Am 28. September 1920 hat die vorläufige Kärntner Landesversammlung festgehalten:
„Sie erklärt daher im Bewußtsein der verantwortungsvollen Stunde namens der von ihr vertretenen Bevölkerung, daß sie den slowenischen Landsleuten ihre sprachliche und nationale Eigenart jetzt und alle Zeit wahren will und daß sie deren geistigem und wirtschaftlichem Aufblühen dieselbe Fürsorge angedeihen lassen wird wie den deutschen Bewohnern des Landes“.
Nur zwei Beispiele: Bei der Volkszählung 1910 gab es z.B. in Keutschach 85 Bürger mit deutsche Umgangssprache und 1081 mit slowenischer Umgangssprache; in Griffen lebten 841 Bewohner mit deutscher Umgangssprache und 2344 mit slowenischer Umgangssprache.
Wenn wir diese Zahlen mit den heutigen vergleichen, dann kann man erkennen, dass tatsächlich hier etwas passiert ist, worüber wir reden müssen, offen und ehrlich. Ich weiß schon, dass man die Geschichte nicht zurückdrehen kann, aber daraus sollten wir lernen, auf beiden Seiten.
Ich habe mich entschieden der Einladung des Obmannes des KHD zu folgen. Warum?
Die deutsche Psychoanalytikerin Thea Bauriedl hat in ihrem Beitrag: Die Angst vor der Vergangenheit und die Unfähigkeit zu trauern Folgendes festgehalten:
„Die Revolution der Trauerarbeit besteht nicht darin, dass die bisher Unterdrückten jetzt endlich an die Macht kommen, dass also die Herrschaftsverhältnisse nur umgekehrt werden. Die Revolution der Trauerarbeit beruht auf der schrittweisen Auflösung der Spaltung zwischen Gut und Böse, zwischen Freund und Feind. Das macht es nötig, sich vollständig (und immer wieder) neu zu orientieren. Die alte Orientierung bestand in der Trennung von Tätern und Opfern. Das diente dazu, dass jeder sich selbst jeweils zu den Guten, und das sind zumeist die Opfer, zählen konnte“. Und weiter noch eine wichtige Erkenntnis von Thea Bauriedl: „Der einzelne muss sich vorstellen können, dass er potentieller Täter und potentielles Opfer von Vernichtung ist“.
Welche Schlussfolgerung ziehe ich aus obigem Zitat in Verbindung mit der Zeit, über die wir heute sprechen?
Zuerst einmal die, dass das Gespräch, der Dialog die entscheidende Voraussetzung für Lösungen von Problemen und Konflikten ist. Tatsächlich haben wir uns durch das Gespräch geändert, sowohl der KHD unter der Obmannschaft des Josef Feldner als auch der ZSO unter meiner Obmannschaft. Wir haben erkannt, dass es darum geht miteinander offen zu reden und dabei haben wir Erkenntnisse gewonnen, die wir ohne das Gespräch, ohne einen Dialog nie gewonnen hätten.
Zweitens, dass man dabei Empathie für den anderen entwickelt, sich in den anderen hineindenkt, ihn versucht zu verstehen, warum er gerade so denkt, wie er denkt.
Drittens, dass daraus ein zivilisierter Dialog entsteht. Das muss noch nicht bedeuten, dass man in allen Fragen einer Meinung ist, es bedeutet aber das ernsthafte Bemühen an den Tag zu legen, konstruktiv miteinander in Wort und Schrift umzugehen.
Wir haben in der Konsensgruppe diese drei Grundsätze umgesetzt und gezeigt, dass tiefe Gräben wenn schon nicht überwunden, so doch seichter und überwindbarer gemacht werden können. Voraussetzung hierfür war die Erkenntnis des KHD, dass rechtsstaatliche Normen umgesetzt werden müssen und dass eine Nulllösung bei der Ortstafelfrage nicht aufrecht erhaltbar ist. Auf meiner Seite war die Voraussetzung die, dass man die Position „mit dem KHD redet man nicht“ aufgibt und sich auf das Wagnis des Gespräches einlässt. Gemeinsam war unsere Überzeugung, dass wer Veränderung will, sich auch selbst ändern muss.
Ich bereue diesen Schritt nicht. Und ich glaube auch, dass dieser Schritt zum Gespräch und Dialog irreversibel geworden ist.
Eine Strategie des Dialogs darf sicherlich nicht dafür benutzt werden, die konkrete Konfliktlösung zu vermeiden oder weiter aufzuschieben. Sie darf schon gar nicht dafür benutzt werden, stattdessen Konsens oder Versöhnung als Ersatz für Konfliktlösung einzufordern. Das ist offensichtlich auch die Angst mancher Gegner des Dialogs, und wir wollen es als Warnung respektieren. Tatsächlich hat die Perspektive der „Versöhnung“ eine tragfähige Konfliktlösung zur Voraussetzung, die von möglichst allen Konfliktparteien akzeptiert werden muss, wenn sie nachhaltig sein soll.
Man kann den Dialog mit dem Kärntner Heimatdienst natürlich ablehnen. Die Einstellungen und Haltungen, die hinter dieser Ablehnung stehen, sind historisch verstehbar. Sie beruhen auch auf Einschätzungen, dass ein Dialog mit dem Kärntner Heimatdienst aufgrund der Mehrheits- und Machtverhältnisse in Kärnten die Verteidigung der Rechte der Slowenen schwächt oder zumindest Schwäche signalisiert, dass man durch den Dialog selbst die eigenen Positionen und Ziele verrät oder nicht scharf genug zum Ausdruck bringt, dass der Dialog missbraucht werden könnte, oder nur dazu dient, um vom Aufbau neuer Feindbilder abzulenken. Aber gerade weil die Machtverhältnisse zwischen Mehrheit und Minderheit völlig asymmetrisch sind, kann die Minderheit aus meiner Sicht mit solchen Einstellungen und Haltungen nur verlieren.
Die Verweigerung des Dialogs mit den „Heimatverbänden“ wird im Geiste des Antifaschismus geführt. Es gibt allerdings auch Antifaschisten, die den Wert des Dialogs verteidigen. Rechte wie Linke waren im letzten Jahrhundert meistens auf der Seite von politischer Gewalt oder Gegengewalt und selten auf der Seite des Dialogs. Wenige haben bis heute die Erkenntnisse aus diesem Jahrhundert der Extreme und der Barbarei gezogen. Wenn man für den Dialog optiert, so scheint es, sitzt man zwischen den Stühlen. Und trotzdem, so glaube ich, ist der Dialog die einzige Strategie, die eine Konfliktbearbeitung ermöglicht, die nachhaltig ist und von allen Konfliktparteien akzeptiert wird. Ob diese Auffassung stimmt, kann nur die Geschichte zeigen.
Ich stehe nicht für „naive“ Formen des Dialogs, sondern plädiere für neue Methoden, die über die klassische Mediation oder Verhandlungen am Runden Tisch hinausgehen. Es geht auch um eine Bewusstmachung asymmetrischer Machtverhältnisse, kultureller und ideologischer Annahmen und Einstellungen, sowie biographisch-lebensgeschichtlicher Gewalterfahrungen, die auf komplexe Art und Weise zusammenwirken und eine kreative Konfliktbearbeitung behindern. Es braucht notfalls auch gewaltfreie Widerstandsaktionen seitens der Schwächeren, die allerdings erfolgreicher sein werden, wenn sie mit Kreativität und Dialog verbunden werden. Hier sei eine prinzipielle Anmerkung angebracht: ich lehne Bombenattentate als Mittel zur Durchsetzung politischer Ziele prinzipiell ab und daher erwarte ich auch, dass die in den letzten Tagen und Wochen aufgetauchten Diskussionen über die Bombenattentate der 70-er Jahre auch restlos aufgeklärt werden.
Ein Dialog nach meinem Verständnis führt über ein besseres Verstehen der anderen auch immer mehr dazu, die eigene Wahrnehmung kritisch zu hinterfragen. Ein solcher Dialog strebt auch nicht danach, einen gemeinsamen Text, eine gemeinsame Konflikt- und Geschichtserzählung zu kreieren. Im Gegenteil: Widersprüche müssen erkannt und benannt werden, und auch negative Emotionen müssen wahrgenommen und transformiert werden.
Natürlich gibt es noch auf beiden Seiten Menschen, die diesem Prozess kritisch ungläubig entgegenstehen. Einerseits sind die Verletzungen der Vergangenheit noch immer da und andererseits wird wohl mit diesem Dialogprozess auch politisches Kleingeld gemacht. Das sollte uns aber nicht davon abhalten auch mit den Kritikern dieses Weges zu reden und in den Dialog zu treten.
Ich möchte zum Abschluss noch eine kleine Geschichte erzählen, die ich in der überzeugenden Diplomarbeit von Frau Mag. Monika Kuchar über Trauma, Vergebung und Versöhnung gelesen habe: der Hintergrund für die Versöhnungspolitik des ehemaligen südafrikanischen Präsidenten Mandela und des Bischofs Desmond Tutu, die durch die Wahrheits- und Versöhnungskommissionen in Südafrika einen völlig neuen Weg bei der Bewältigung von Gewalt und Apartheid gegangen sind, wird mit dem Begriff „ubuntu“ bezeichnet. Ubuntu ist das Gegenteil von „Auge um Auge und Zahn um Zahn“ und bedeutet wörtlich: „Ich bin – weil du bist“. Diese Philosophie kommt sehr gut in folgendem Gedicht aus Südafrika zum Ausdruck und ist Teil eines Schauspieles, das auf ein Märchen zurückgeht. In ihm verschlingt der Drache ein gesamtes Volk und schwillt davon so gewaltig an, dass er schließlich in den Passstraßen des Hochgebirges stecken bleibt. Von allen Menschen überlebt einzig Sekatana. Er ist mutterseelenallein auf der Welt, kann tun was er will, und dennoch wehklagt er mit lauter Stimme:
„ich kann mich selbst nicht finden
denn ich finde mich nicht bei den anderen
worüber soll ich mich freuen, wenn ich ganz alleine bin?
wovon soll ich befreit werden, wenn nur ich da bin?
warum sollte irgendetwas schön sein, wenn nur meine augen es sehen?
ihr seid es, die mein ich hervorrufen
ich bin es, der sein ich durch euch denkt
ihr denkt mein ich aus
ich wähle euch nicht
dass es euch gibt, erschafft mich
wir sind gemacht, mit anderen zu sein
oder wir werden hungrig bleiben mitten im überfluss“
Spoštovane dame in gospodje!
Živimo v 21. stoletju in stoletje nasilja in konfrontacij je za nami. Obrnimo novo stran na skupni poti sporazumevanja in sodelovanja, obogateno z izkušnjami iz preteklosti. To mora biti pot konstruktivnega sožitja, medsebojnega spoštovanja in razrešitev odprtih vprašanj sožitja.
Meine sehr geehrten Damen und Herren!
Dieser Gedanke „wir sind gemacht, mit anderen zu sein oder wir werden hungrig bleiben mitten im überfluss“ sollte unser Leitbild für die Zukunft sein. Gegenseitiger Respekt, sensibles Aufeinander-Zugehen, Lösung offener Fragen des Zusammenlebens, das ist heute Dienst an der Heimat, an der gemeinsamen Heimat.
Gehen wir diesen Weg nunmehr gemeinsam!
Danke für die Aufmerksamkeit. Hvala za pozornost!
ena čreda, en pastir....
22.04.2010
Danes sem slučajno slišal Voukov komentar v Radio dva, ko razmišlja o nadaljni perspektivi NSKS. Njegove misli očitno krožijo le okoli ene teme: poenotenje manjšine. Dobro to že poznamo. Zanimivo pa je bilo, da je ocenil primer gradiščanskih hrvatov kot izredno negativen, ker imajo menda osem zastopniških organizacij.
Dva ministra v vladi, osem deželnozborskih poslancev, nešteto občinskih odbornikov in županov, dobro urejeno dvojezično otroško varstvo in šolstvo, dvojezične table in še posebej konstruktivno vzdušje v deželi. Vse to očitno za Vouka nič ne šteje.
Je že čudno. A vendar gradiščanski primer kaže: v raznolikosti je moč in koroški primer kaže, da koncept "ena čreda, en pastir" vodi edinole v nenehne moreče interne konflikte...
Dva ministra v vladi, osem deželnozborskih poslancev, nešteto občinskih odbornikov in županov, dobro urejeno dvojezično otroško varstvo in šolstvo, dvojezične table in še posebej konstruktivno vzdušje v deželi. Vse to očitno za Vouka nič ne šteje.
Je že čudno. A vendar gradiščanski primer kaže: v raznolikosti je moč in koroški primer kaže, da koncept "ena čreda, en pastir" vodi edinole v nenehne moreče interne konflikte...
Die Tränen der Erinnerung
21.04.2010
Überlegungen zum Verhältnis von Geschichtsschreibung und Gedächtnis
10. April 2010, Neue Zürcher Zeitung
Die Geschichtswissenschaft sucht zur Geschichte einen anderen Zugang als das – kollektive – Gedächtnis oder die Vergangenheitspolitik. Die Spannung zwischen den beiden Weisen der Erinnerung kann, sie muss aber nicht zu Konflikten führen.
Helmut König
Zwischen Geschichtsschreibung und Gedächtnis erstreckt sich ein spannungsreiches Feld wechselseitiger Zumutungen und Interventionen. Das Gedächtnis steht im Dienst gegenwärtiger realer Identitätswünsche und -bedürfnisse von Gruppen und Kollektiven. Die Geschichtsschreibung als wissenschaftliche Disziplin dagegen ordnet sich nicht diesen Wünschen und Bedürfnissen unter. Das Gedächtnis ist abhängig vom kollektiven Selbstbild der jeweiligen Gruppe, Wissenschaft folgt einer anderen Logik und Codierung. Deswegen geraten Erinnerungskultur und Geschichtsschreibung immer wieder in dramatische Konflikte und Spannungen. Die Geschichte der Religionen und der Aufklärung liefert dafür viele Beispiele. Abzulesen ist das überall dort, wo die Geschichtswissenschaft oder die Philologie anfängt, mit ihrem Seziermesser die heiligen Bücher der Religionen zu zerlegen.
Treue und Wahrheit, Eingedenken
An der hebräischen Bibel bzw. am Judentum kann man den Bruch zwischen Geschichtsschreibung und Gedächtnis besonders gut deutlich machen. Der vor kurzem verstorbene Historiker Yosef Hayim Yerushalmi hat das in einer beeindruckenden Studie («Zachor: Erinnere dich!», 1982) dargelegt. Keine Religion ist so sehr auf das Gedächtnis gebaut wie die jüdische. Juden leben in der alltäglichen, ritualisierten Treue zur Tradition, sie bewohnen die Vergangenheit und lassen sich von ihr bis in die feinsten Adern ihres Alltags hinein prägen und anleiten.
Wo das kollektive Gedächtnis gut funktioniert, ist der Historiker überflüssig und störend. Weil die Juden über ein gutes Gedächtnis verfügen, haben sie so auffällig spät die Geschichtsschreibung ausgebildet. Das Handwerk des Historikers beginnt in dem Moment, in dem das religiöse Vergessen einsetzt. Nach Yerushalmi war die Antriebskraft für diesen Wechsel von Gedächtnis zu Geschichte die Emanzipation der Juden im 19. Jahrhundert, ihr plötzliches Auftauchen aus dem Ghetto. Heute ist die Antriebskraft für diesen Prozess die Shoah. Sie steht im jüdischen Bewusstsein an der Schwelle zwischen Gedächtnis und Geschichte. Einerseits wird die Shoah historiografisch gewissenhaft und unaufhörlich dokumentiert und analysiert. Andererseits besetzt sie das Zentrum der jüdischen Gegenwartsidentität; und die Erinnerung an sie determiniert und dominiert das Selbstverständnis des Staates Israel: Sie überdeckt nach Meinung etwa des Historikers Tom Segev oder des ehemaligen Knesset-Präsidenten Avraham Burg die an der Wahrheit orientierte Geschichtskenntnis.
Generell gilt, dass politische Ordnungen, Gesellschaften und Staaten nicht auf Identität und auf die Ausbildung eines kollektiven Gedächtnisses verzichten können. Andererseits kann sich aber die Geschichtswissenschaft dem Diktat der Identitätsansprüche nicht unterwerfen. Die Historiker können das kollektive Gedächtnis ergänzen und korrigieren. Das kollektive Gedächtnis kann und muss sich der kritischen Kontrolle der Historie unterwerfen. Das Gedächtnis ist nicht starr und statisch, sondern stets in Bewegung und Veränderung begriffen. Die Interventionen der Historiker bewirken, dass die blinde Treue des Gedächtnisses zur kollektiven Identität immer wieder auf den Prüfstand gestellt und aufgebrochen wird.
Zur Treue des kollektiven Gedächtnisses gehört stets das ehrende Andenken gegenüber den Untergegangenen, den Benachteiligten und Entrechteten der Geschichte, den Ermordeten. Das Gedächtnis steht im Dienst des Eingedenkens, und es definiert sich durch die Erinnerung an das vergangene Unrecht und durch die Identifikation insbesondere mit den Opfern. Viele Geschichtskontroversen, auch der deutsche Historikerstreit der achtziger Jahre, lassen sich besser verstehen, wenn man sich diesen Punkt klarmacht und vergegenwärtigt. Den einen geht es darum, Zeugnis von menschlichen Tragödien abzulegen und das Ereignis, eben etwa die Shoah, als unvergleichliche Katastrophe im kollektiven Gedächtnis zu verankern. Die andern wollen das Geschehene dokumentieren, erklären und interpretieren.
Der Konflikt um das Memoriale, der zwischen Geschichtswissenschaft und Gedächtnis ausgetragen wird, lässt sich jedoch entschärfen. Die Geschichtsschreibung kann sich den Anforderungen des Eingedenkens öffnen und etwas von jener Treue zu den Opfern in sich aufnehmen, die das Gedächtnis auszeichnet. Die Geschichtsschreibung kann nicht nur quellenkritisch, erklärend und interpretierend verfahren, sondern zusätzlich dem Andenken und der Trauer Ausdruck geben. Das ist von Saul Friedländer auf vorbildhafte Weise in seiner Studie «Das Dritte Reich und die Juden» realisiert worden. Dem 1932 in Prag geborenen israelisch-amerikanischen Historiker gelingt die Verbindung von wissenschaftlicher Distanz und Objektivität auf der einen Seite mit der Sensibilität für das unsagbare Leiden der Ermordeten und Verfolgten anderseits.
Geschichten und Geschichte
Das Gedächtnis erzählt Geschichten, die Geschichtswissenschaft schreibt Geschichte. Die Historiker kürzen gleichsam die Geschichten ab und ordnen sie der begrifflichen Stringenz ein und unter. Wo bleiben dann aber die vielen Geschichten der Erinnerung in der einen Geschichte der Historie? Und: Warum sind Geschichten, warum ist das Geschichtenerzählen so wichtig?
Über das Geschichtenerzählen kann man nicht sprechen, ohne auf Hannah Arendt zu kommen. Das Geschichtenerzählen, das Storytelling, wie Arendt es gerne nennt, hat für sie eine therapeutische Aufgabe. Die Philosophin spricht von Katharsis und bezieht sich damit auf Aristoteles. Das Geschichtenerzählen hat die Funktion, dass wir uns mit dem, was in der Welt an Schrecknissen geschehen ist, aussöhnen und nicht in der Wut und der Verzweiflung und der Trauer steckenbleiben. Man muss versuchen, trotz allen Greueln und allem Leid, wie Arendt sagt, «in der Welt zu Hause zu sein». Dazu verhilft nicht der verallgemeinernde Begriff, dazu verhilft das Erzählen.
Politisch bedeutsam ist das Geschichtenerzählen, weil die Tränen der Erinnerung den Weg zurück in die Welt des politischen Handelns vorbereiten. Immer geht es beim Erzählen von Geschichten um den Umgang mit Verlusten, Kränkungen und Zumutungen. Und es gibt kein Leben, keine Geschichte und keine Geschichten, die nicht die Erfahrung von Verlusten, Kränkungen und Zumutungen bereithalten. Alle Völker in Europa haben im letzten Jahrhundert Verluste erlitten und haben Verluste zu beklagen. Und für alle gehört es zu den wichtigsten Aufgaben, sich zu diesen Verlusten in ein Verhältnis zu setzen und die Versöhnung mit ihnen anzubahnen. Sonst kommt es zu Verbitterung und zum Groll, zu Rache und zur Vergeltung. Auch für den Konflikt im Nahen Osten ist der Umgang mit Verlusten von zentraler Bedeutung.
Die Geschichte Mittel- und Osteuropas im 20. Jahrhundert ist eine Geschichte schrecklicher Verluste an Menschenleben; und die Völker Osteuropas stecken voller Geschichten dieser furchtbaren Verluste. Sie können erst heute, erst seit «1989» erzählt werden; und sie finden noch viel zu wenig Gehör. Es sind bis heute unerhörte, ungehörte, nicht erzählte Geschichten unermesslicher Verluste, unermesslichen Leidens und unermesslicher Schrecknisse. Wir brauchen die Aufmerksamkeiten und die Räume, sie zu hören und sie auf uns wirken zu lassen, ohne sie vorschnell auf Begriffe zu bringen und dadurch zu entschärfen.
Kleine Wunder
Aber wir brauchen für die Ereignisse im Nahen Osten oder in Osteuropa auch die Geschichte, die Geschichte im Singular, und deren Analyse. Vielleicht ist es an dieser Stelle weniger eine gegenseitige Intervention zwischen Geschichtsschreibung und Gedächtnis, die angebracht ist, sondern mehr eine Ergänzung. Es reicht, wenn beide nebeneinanderstehen und dem jeweils anderen Bezug auf die Vergangenheit nicht das Recht und die Legitimität abgesprochen wird. Dazu gehört dann, dass die Historiker nicht eifersüchtig jeden Film, der Geschichten erzählt (wie die Filmserie «Holocaust» oder den Film von Andrzej Wajda über Katyn) ins wissenschaftliche Kreuzverhör nehmen. Die Historiker sollten anerkennen, dass nur aus dem Erzählen und Hören und Sehen der Geschichten, jedenfalls wenn es gutgeht, die kleinen Wunder der Anerkennung, des Loslassens und der Versöhnung erwachsen können.
Prof. Dr. Helmut König lehrt politische Theorie und Ideengeschichte an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. 2008 ist (bei Velbrück Wissenschaft) seine grossangelegte Studie «Politik und Gedächtnis» erschienen.
10. April 2010, Neue Zürcher Zeitung
Die Geschichtswissenschaft sucht zur Geschichte einen anderen Zugang als das – kollektive – Gedächtnis oder die Vergangenheitspolitik. Die Spannung zwischen den beiden Weisen der Erinnerung kann, sie muss aber nicht zu Konflikten führen.
Helmut König
Zwischen Geschichtsschreibung und Gedächtnis erstreckt sich ein spannungsreiches Feld wechselseitiger Zumutungen und Interventionen. Das Gedächtnis steht im Dienst gegenwärtiger realer Identitätswünsche und -bedürfnisse von Gruppen und Kollektiven. Die Geschichtsschreibung als wissenschaftliche Disziplin dagegen ordnet sich nicht diesen Wünschen und Bedürfnissen unter. Das Gedächtnis ist abhängig vom kollektiven Selbstbild der jeweiligen Gruppe, Wissenschaft folgt einer anderen Logik und Codierung. Deswegen geraten Erinnerungskultur und Geschichtsschreibung immer wieder in dramatische Konflikte und Spannungen. Die Geschichte der Religionen und der Aufklärung liefert dafür viele Beispiele. Abzulesen ist das überall dort, wo die Geschichtswissenschaft oder die Philologie anfängt, mit ihrem Seziermesser die heiligen Bücher der Religionen zu zerlegen.
Treue und Wahrheit, Eingedenken
An der hebräischen Bibel bzw. am Judentum kann man den Bruch zwischen Geschichtsschreibung und Gedächtnis besonders gut deutlich machen. Der vor kurzem verstorbene Historiker Yosef Hayim Yerushalmi hat das in einer beeindruckenden Studie («Zachor: Erinnere dich!», 1982) dargelegt. Keine Religion ist so sehr auf das Gedächtnis gebaut wie die jüdische. Juden leben in der alltäglichen, ritualisierten Treue zur Tradition, sie bewohnen die Vergangenheit und lassen sich von ihr bis in die feinsten Adern ihres Alltags hinein prägen und anleiten.
Wo das kollektive Gedächtnis gut funktioniert, ist der Historiker überflüssig und störend. Weil die Juden über ein gutes Gedächtnis verfügen, haben sie so auffällig spät die Geschichtsschreibung ausgebildet. Das Handwerk des Historikers beginnt in dem Moment, in dem das religiöse Vergessen einsetzt. Nach Yerushalmi war die Antriebskraft für diesen Wechsel von Gedächtnis zu Geschichte die Emanzipation der Juden im 19. Jahrhundert, ihr plötzliches Auftauchen aus dem Ghetto. Heute ist die Antriebskraft für diesen Prozess die Shoah. Sie steht im jüdischen Bewusstsein an der Schwelle zwischen Gedächtnis und Geschichte. Einerseits wird die Shoah historiografisch gewissenhaft und unaufhörlich dokumentiert und analysiert. Andererseits besetzt sie das Zentrum der jüdischen Gegenwartsidentität; und die Erinnerung an sie determiniert und dominiert das Selbstverständnis des Staates Israel: Sie überdeckt nach Meinung etwa des Historikers Tom Segev oder des ehemaligen Knesset-Präsidenten Avraham Burg die an der Wahrheit orientierte Geschichtskenntnis.
Generell gilt, dass politische Ordnungen, Gesellschaften und Staaten nicht auf Identität und auf die Ausbildung eines kollektiven Gedächtnisses verzichten können. Andererseits kann sich aber die Geschichtswissenschaft dem Diktat der Identitätsansprüche nicht unterwerfen. Die Historiker können das kollektive Gedächtnis ergänzen und korrigieren. Das kollektive Gedächtnis kann und muss sich der kritischen Kontrolle der Historie unterwerfen. Das Gedächtnis ist nicht starr und statisch, sondern stets in Bewegung und Veränderung begriffen. Die Interventionen der Historiker bewirken, dass die blinde Treue des Gedächtnisses zur kollektiven Identität immer wieder auf den Prüfstand gestellt und aufgebrochen wird.
Zur Treue des kollektiven Gedächtnisses gehört stets das ehrende Andenken gegenüber den Untergegangenen, den Benachteiligten und Entrechteten der Geschichte, den Ermordeten. Das Gedächtnis steht im Dienst des Eingedenkens, und es definiert sich durch die Erinnerung an das vergangene Unrecht und durch die Identifikation insbesondere mit den Opfern. Viele Geschichtskontroversen, auch der deutsche Historikerstreit der achtziger Jahre, lassen sich besser verstehen, wenn man sich diesen Punkt klarmacht und vergegenwärtigt. Den einen geht es darum, Zeugnis von menschlichen Tragödien abzulegen und das Ereignis, eben etwa die Shoah, als unvergleichliche Katastrophe im kollektiven Gedächtnis zu verankern. Die andern wollen das Geschehene dokumentieren, erklären und interpretieren.
Der Konflikt um das Memoriale, der zwischen Geschichtswissenschaft und Gedächtnis ausgetragen wird, lässt sich jedoch entschärfen. Die Geschichtsschreibung kann sich den Anforderungen des Eingedenkens öffnen und etwas von jener Treue zu den Opfern in sich aufnehmen, die das Gedächtnis auszeichnet. Die Geschichtsschreibung kann nicht nur quellenkritisch, erklärend und interpretierend verfahren, sondern zusätzlich dem Andenken und der Trauer Ausdruck geben. Das ist von Saul Friedländer auf vorbildhafte Weise in seiner Studie «Das Dritte Reich und die Juden» realisiert worden. Dem 1932 in Prag geborenen israelisch-amerikanischen Historiker gelingt die Verbindung von wissenschaftlicher Distanz und Objektivität auf der einen Seite mit der Sensibilität für das unsagbare Leiden der Ermordeten und Verfolgten anderseits.
Geschichten und Geschichte
Das Gedächtnis erzählt Geschichten, die Geschichtswissenschaft schreibt Geschichte. Die Historiker kürzen gleichsam die Geschichten ab und ordnen sie der begrifflichen Stringenz ein und unter. Wo bleiben dann aber die vielen Geschichten der Erinnerung in der einen Geschichte der Historie? Und: Warum sind Geschichten, warum ist das Geschichtenerzählen so wichtig?
Über das Geschichtenerzählen kann man nicht sprechen, ohne auf Hannah Arendt zu kommen. Das Geschichtenerzählen, das Storytelling, wie Arendt es gerne nennt, hat für sie eine therapeutische Aufgabe. Die Philosophin spricht von Katharsis und bezieht sich damit auf Aristoteles. Das Geschichtenerzählen hat die Funktion, dass wir uns mit dem, was in der Welt an Schrecknissen geschehen ist, aussöhnen und nicht in der Wut und der Verzweiflung und der Trauer steckenbleiben. Man muss versuchen, trotz allen Greueln und allem Leid, wie Arendt sagt, «in der Welt zu Hause zu sein». Dazu verhilft nicht der verallgemeinernde Begriff, dazu verhilft das Erzählen.
Politisch bedeutsam ist das Geschichtenerzählen, weil die Tränen der Erinnerung den Weg zurück in die Welt des politischen Handelns vorbereiten. Immer geht es beim Erzählen von Geschichten um den Umgang mit Verlusten, Kränkungen und Zumutungen. Und es gibt kein Leben, keine Geschichte und keine Geschichten, die nicht die Erfahrung von Verlusten, Kränkungen und Zumutungen bereithalten. Alle Völker in Europa haben im letzten Jahrhundert Verluste erlitten und haben Verluste zu beklagen. Und für alle gehört es zu den wichtigsten Aufgaben, sich zu diesen Verlusten in ein Verhältnis zu setzen und die Versöhnung mit ihnen anzubahnen. Sonst kommt es zu Verbitterung und zum Groll, zu Rache und zur Vergeltung. Auch für den Konflikt im Nahen Osten ist der Umgang mit Verlusten von zentraler Bedeutung.
Die Geschichte Mittel- und Osteuropas im 20. Jahrhundert ist eine Geschichte schrecklicher Verluste an Menschenleben; und die Völker Osteuropas stecken voller Geschichten dieser furchtbaren Verluste. Sie können erst heute, erst seit «1989» erzählt werden; und sie finden noch viel zu wenig Gehör. Es sind bis heute unerhörte, ungehörte, nicht erzählte Geschichten unermesslicher Verluste, unermesslichen Leidens und unermesslicher Schrecknisse. Wir brauchen die Aufmerksamkeiten und die Räume, sie zu hören und sie auf uns wirken zu lassen, ohne sie vorschnell auf Begriffe zu bringen und dadurch zu entschärfen.
Kleine Wunder
Aber wir brauchen für die Ereignisse im Nahen Osten oder in Osteuropa auch die Geschichte, die Geschichte im Singular, und deren Analyse. Vielleicht ist es an dieser Stelle weniger eine gegenseitige Intervention zwischen Geschichtsschreibung und Gedächtnis, die angebracht ist, sondern mehr eine Ergänzung. Es reicht, wenn beide nebeneinanderstehen und dem jeweils anderen Bezug auf die Vergangenheit nicht das Recht und die Legitimität abgesprochen wird. Dazu gehört dann, dass die Historiker nicht eifersüchtig jeden Film, der Geschichten erzählt (wie die Filmserie «Holocaust» oder den Film von Andrzej Wajda über Katyn) ins wissenschaftliche Kreuzverhör nehmen. Die Historiker sollten anerkennen, dass nur aus dem Erzählen und Hören und Sehen der Geschichten, jedenfalls wenn es gutgeht, die kleinen Wunder der Anerkennung, des Loslassens und der Versöhnung erwachsen können.
Prof. Dr. Helmut König lehrt politische Theorie und Ideengeschichte an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. 2008 ist (bei Velbrück Wissenschaft) seine grossangelegte Studie «Politik und Gedächtnis» erschienen.
ne vedo kam se peljejo, zato pa želijo biti prej tam....
09.04.2010
Vprašanje organiziranosti je bila osrednja tema zasedanja komisije slovenskega parlamenta za odnose s Slovenci v zamjestvu in po svetu. Ozadje te razprave je dejstvo, da je NSKS zašel v hudo krizo, mandatna doba zbora narodnih predstavnikov je že več kot leto dni potekla, in predsednik Smolle je bil izvoljen od 26 članov tega odbora. V resnici NSKS danes zaradi poteka mandatne periode zbora narodnih predstavnikov šteje točno 48 članov in nič več. Da bi zakrili dejstvo, da očitno ne morejo več izvesti svojih volitev, je predsestvo NSKS zdaj insceniralo "samorazpust", ki pa ni uspel. Očitno naj bi "samorazpust" povzročil od Ljubljane do Dunaja preplah in podporo za "skupno zastopstvo". Tako kot je vprašanje "skupnega zastopstva" predvsem emocionalno-iracionalno vprašanje, si očitno vsi akterji tudi niso na jasnem, kako naj bi tako "skupno zastopstvo" izgledalo.
Enkrat gre za "temeljno glasovanje" (Smolle), potem spet za volitve odbornikov in nato spet za vsesplošne volitve.
Sedem slovenskih evroposlancev je v izjavi predlagalo, da "je potrebno znotraj celotne slovenske manjšine na Koroškem izvesti splošne demokratične volitve, ki bo novo vodstvo manjšine legitimirale za enotno in učinkovito delo v skladu z zavezami Avstrijske državne pogodbe in v duhu evropskih standardov manjšinske zaščite".
Da se slovenski evroposlanci ob tem sklicujejo na "evropske standarde manjšinske zaščite" potrjuje samo, da teh standardov očitno ne poznajo oziroma jih interpretirajo po svoje.
Pred leti sem bil na konferenci Sveta Evrope, na kateri se je prav razpravljalo o organiziranosti manjšin v Evropi in temeljni zaključek je bil, da ni mogoče predpisati konkretnega modela organiziranosti. Vsekakor mednarodnopravni dokumenti manjšinske zaščite (ADP, Okvirna konvencija, Evropska listina, OVSE) ne predvidevajo kakega kokretnega zavezujočega modela. Torej ostane organiziranost vprašanje posameznih držav, kjer vidimo različne modele od oblik avtonomije, do modelov manjšinske organiziranosti kot del civilne družbe (sosveti).
Toda v oči pade sledeče: nemški nacionalizem na Koroškem je desetletja uporabljal isti vokabular, kot danes NSKS in sedem slovenskih evroposlancev: preštejte se, legitimirajte se (in na podlagi tega boste dobili manjšinske pravice). Ni naključje, da so predstavniki koroških svobodnjakov takoj pozdravili pobudo NSKS po "demokratičnem zastopstvu".
Kaj stoji za logiko "demokratične legitimacije"? Očitno zagovorniki tega izhajajo iz nacionalističnega koncepta "etnosa kot političnem kolektivu". Potemtakem je narodnost že sama po sebi politično telo, ki se mora organizirati kot neka "država v državi", kot nekaka "Republika Srpska", v našem primeru bolj virtualna, ker skratka nima teritorija.
Za stafažo seveda govorijo o pluralnem zastopstvu, a trik je zelo enostaven in smo ga lahko opazovali ob razpadu Jugoslavije v Bosni in Hercegovini. Volitve v multietničnem prostoru, ki temeljijo na priznanju k narodni pripadnosti, lahko sproži nacionalistično logiko: kdo je najbolj radikalen zastopnik manjšine in s tem se v resnici pluralizem odvija samo še znotraj nacionalistične logike.
Na Koroškem bi bilo to fatalno: v času, ko se interes za slovenski jezik veča, ko se prekomejno sodelovanje razširja, ko realno prihaja do preseganja etničnih meja in to v smislu, da se več ljudi uči slovensko, da več ljudi izraža interes za slovensko kulturo, da več ljudi želi konstruktivno prekomejno sodelovanje, nekateri hočejo redukcijo manjšine na jedro. To je konzervativno-nacionalistična logika, ki nam je v naši zgodovino že zelo škodovala.
Slovenska manjšina na Koroškem je organizirana na podlagi avstrijskega društvenega prava, tako kot ostale narodne manjšine v Avstriji. Volitve posameznih organizacij seveda potekajo po logiki društvenega prava in so demokratične. Zato je že nekoliko čudno, da nas nekateri v Sloveniji želijo učiti demokracije. "Neapatettlich" pa to postaja, če to storijo taki, ki so nam pred tridesetimi in več leti razlagali "zveličavnost in superdemokratičnost samoupravnega socializma". V resnici s tem podpihujejo le konflikte med slovensko manjšino na Koroškem, ker zdaj že skoraj dvajset let nekateri okoli NSKS ustvarjajo umetne konflikte okoli organiziranosti manjšine v upanju, da bo "končno Slovenija posegla vmes in uredila razmere v njihovem smislu".
Ostale avstrijske manjšine teh problemov nimajo. Imajo številne organizacije in se znajo dogovarjati in to zelo uspešno: hrvati npr. imajo dva ministra v vladi, številne deželnozborske poslance, urejeno vprašanje dvojezičnih napisov, šolstva in otroškega varstva in predvsem relativno pozitivno vzdušje v deželi.
Čeprav v konkretnih vprašanjih med ZSO, NSKS in SKS (dvojezične table, šolstvo itd.) ni razlik, pa seveda obstojajo konceptualne razlike, ki izhajajo iz strankarskopolitične in svetovnonazorske opredelitve, kar je normalno. Toda dogovarjanje med ZSO, SKS in NSKS ni mogoča, ker NSKS sledi nacionalistični logiki, ki v raznolikosti in različnosti vidi ogrozitev in ne "vir kreativnosti" (Okvirna konvencija Sveta Evrope).
Zato je treba ob reformi zakona o narodnostnih skupinah uveljaviti model, ki bo ustrezal tako NSKS, kot tudi ostalim faktorjem. Model R Sloveije bi bil lahko za zgled: na eni strani narodnostno priznanje v etničnem katastru in s tem povezane določene posebne politične pravice in na drugi strani priznanje k jeziku, k jezikovno-kulturni raznolikosti regije in s tem povezane pravice na področju izobraževanja in kulture.
Razprava o reformi manjšinskega varstva v okviru urada zveznga kanclerja je priložnost, da skupaj z ostalimi manjšinami izdelamo model, ki bo upošteval "eno in drugo". Le to je konstruktivna pot.
Enkrat gre za "temeljno glasovanje" (Smolle), potem spet za volitve odbornikov in nato spet za vsesplošne volitve.
Sedem slovenskih evroposlancev je v izjavi predlagalo, da "je potrebno znotraj celotne slovenske manjšine na Koroškem izvesti splošne demokratične volitve, ki bo novo vodstvo manjšine legitimirale za enotno in učinkovito delo v skladu z zavezami Avstrijske državne pogodbe in v duhu evropskih standardov manjšinske zaščite".
Da se slovenski evroposlanci ob tem sklicujejo na "evropske standarde manjšinske zaščite" potrjuje samo, da teh standardov očitno ne poznajo oziroma jih interpretirajo po svoje.
Pred leti sem bil na konferenci Sveta Evrope, na kateri se je prav razpravljalo o organiziranosti manjšin v Evropi in temeljni zaključek je bil, da ni mogoče predpisati konkretnega modela organiziranosti. Vsekakor mednarodnopravni dokumenti manjšinske zaščite (ADP, Okvirna konvencija, Evropska listina, OVSE) ne predvidevajo kakega kokretnega zavezujočega modela. Torej ostane organiziranost vprašanje posameznih držav, kjer vidimo različne modele od oblik avtonomije, do modelov manjšinske organiziranosti kot del civilne družbe (sosveti).
Toda v oči pade sledeče: nemški nacionalizem na Koroškem je desetletja uporabljal isti vokabular, kot danes NSKS in sedem slovenskih evroposlancev: preštejte se, legitimirajte se (in na podlagi tega boste dobili manjšinske pravice). Ni naključje, da so predstavniki koroških svobodnjakov takoj pozdravili pobudo NSKS po "demokratičnem zastopstvu".
Kaj stoji za logiko "demokratične legitimacije"? Očitno zagovorniki tega izhajajo iz nacionalističnega koncepta "etnosa kot političnem kolektivu". Potemtakem je narodnost že sama po sebi politično telo, ki se mora organizirati kot neka "država v državi", kot nekaka "Republika Srpska", v našem primeru bolj virtualna, ker skratka nima teritorija.
Za stafažo seveda govorijo o pluralnem zastopstvu, a trik je zelo enostaven in smo ga lahko opazovali ob razpadu Jugoslavije v Bosni in Hercegovini. Volitve v multietničnem prostoru, ki temeljijo na priznanju k narodni pripadnosti, lahko sproži nacionalistično logiko: kdo je najbolj radikalen zastopnik manjšine in s tem se v resnici pluralizem odvija samo še znotraj nacionalistične logike.
Na Koroškem bi bilo to fatalno: v času, ko se interes za slovenski jezik veča, ko se prekomejno sodelovanje razširja, ko realno prihaja do preseganja etničnih meja in to v smislu, da se več ljudi uči slovensko, da več ljudi izraža interes za slovensko kulturo, da več ljudi želi konstruktivno prekomejno sodelovanje, nekateri hočejo redukcijo manjšine na jedro. To je konzervativno-nacionalistična logika, ki nam je v naši zgodovino že zelo škodovala.
Slovenska manjšina na Koroškem je organizirana na podlagi avstrijskega društvenega prava, tako kot ostale narodne manjšine v Avstriji. Volitve posameznih organizacij seveda potekajo po logiki društvenega prava in so demokratične. Zato je že nekoliko čudno, da nas nekateri v Sloveniji želijo učiti demokracije. "Neapatettlich" pa to postaja, če to storijo taki, ki so nam pred tridesetimi in več leti razlagali "zveličavnost in superdemokratičnost samoupravnega socializma". V resnici s tem podpihujejo le konflikte med slovensko manjšino na Koroškem, ker zdaj že skoraj dvajset let nekateri okoli NSKS ustvarjajo umetne konflikte okoli organiziranosti manjšine v upanju, da bo "končno Slovenija posegla vmes in uredila razmere v njihovem smislu".
Ostale avstrijske manjšine teh problemov nimajo. Imajo številne organizacije in se znajo dogovarjati in to zelo uspešno: hrvati npr. imajo dva ministra v vladi, številne deželnozborske poslance, urejeno vprašanje dvojezičnih napisov, šolstva in otroškega varstva in predvsem relativno pozitivno vzdušje v deželi.
Čeprav v konkretnih vprašanjih med ZSO, NSKS in SKS (dvojezične table, šolstvo itd.) ni razlik, pa seveda obstojajo konceptualne razlike, ki izhajajo iz strankarskopolitične in svetovnonazorske opredelitve, kar je normalno. Toda dogovarjanje med ZSO, SKS in NSKS ni mogoča, ker NSKS sledi nacionalistični logiki, ki v raznolikosti in različnosti vidi ogrozitev in ne "vir kreativnosti" (Okvirna konvencija Sveta Evrope).
Zato je treba ob reformi zakona o narodnostnih skupinah uveljaviti model, ki bo ustrezal tako NSKS, kot tudi ostalim faktorjem. Model R Sloveije bi bil lahko za zgled: na eni strani narodnostno priznanje v etničnem katastru in s tem povezane določene posebne politične pravice in na drugi strani priznanje k jeziku, k jezikovno-kulturni raznolikosti regije in s tem povezane pravice na področju izobraževanja in kulture.
Razprava o reformi manjšinskega varstva v okviru urada zveznga kanclerja je priložnost, da skupaj z ostalimi manjšinami izdelamo model, ki bo upošteval "eno in drugo". Le to je konstruktivna pot.
politika apokalipse in totalne vojne
03.04.2010
V času emocionalne priprave nemškega terena za drugo svetovno vojno je bila slika preporoda nemškega naroda centralnega pomena. Posameznik se v tem smislu ni smel izogniti svoji usodi. Če je to pomenilo smrt, je moral to žrtev z železno voljo in odkritim srcem darovati svojemu narodu za višje namene. Vojna »svetovnega nazora« je zahtevala totalno nacionalno podrejanje. Liberalna delitev družbe v državne strukture in civilno družbo je bila temu na poti. Za njeno odstranitev je bilo potrebna slika apokalipse in sovraštva do vsega drugačnega. Vojna kot sredstvo ritualnega očiščenja je bila neizbežna in logična posledica in rešilna ideja, odrešenik pa Adolf Hitler. Najmočnejše orožje vojne pa je bila nacija kot narodna skupnost.
Stalno obnavljanje gibanja ob (umetnem) ustvarjanju krize je mojstrsko obvladal tudi premrli deželni glavar Jörg Haider. S tem povezana mistifikacija njegove osebnosti ga je pospremila tudi v lastno smrt in preko nje. Preporod svobodnjaškega gibanja v Knittelfeldu, odcepitev BZÖ, prisiljen odstop od funkcije in slavna vrnitev, prostovoljni osdstop, preklic odstopa in zmagoslavna vrnitev na zvezno politično raven – vse mojstrska dramaturgija desničarske retorike in mobilizacije mas. Celo ideja samostojne svobodne Koroške ni manjkala.
Dogajanje zadnjih tednov in let v NSKS je prineslo odcepitev SKS, prostovoljno razpustitev in njen preklic, proglasitev lastnega parlamenta, odstop predsedstva in sem že zelo radoveden, kako bo šlo s tem naprej. Tukaj zadeva še ni zaključena. Obujanje spomina na bombne atentate iz sedemdesetih let pride skorajda prav. Simbolični kolektivni suicid sicer ni uspel, vendar naj bi vedel do psevdoracionalne odrešitve nacionalizacije etničnih vprašanj pod streho nasilnega političnega skupnega zastopstva, ki ga želi k večjemu 1/3 koroških Slovencev. Slika apokalipse po koroško slovensko, napovedovanje nagrobnih govorov ob koncu koroško slovenskega sveta naj bi vodili do priznanja in zmagoslavne vrnitve in priznanja ekskluzive, in sicer na začetku vsaj v Ljubljani.
Kaj pa imam jaz z vsem tem? Ob zaščiti liberalno demokratične svobode do lastne identitete pač ne pojmujem skupno politično strukturo kot bistven del mojega slovenskega bitja. Mislim, da tega tudi ne dela sociologija, psihologija, politologija in sigurno ne filozofija in demokracija. Nekdo mi pa sugerira, da se temu pojmovanju moram podrediti, ker bo drugače konec sveta in ker mogoče sicer nisem več Slovenec. Evo, pa naj takšen Slovenec tudi ne bom: branje slovenske knjige, obisk gledališča, poslušanje slovenske pesmi in seveda slovenski razgovor mi pravzaprav zadoščajo. Ta vojna ni moja vojna in taka skupnost ni moja skupnost.
Filip Ogris-Martič
Stalno obnavljanje gibanja ob (umetnem) ustvarjanju krize je mojstrsko obvladal tudi premrli deželni glavar Jörg Haider. S tem povezana mistifikacija njegove osebnosti ga je pospremila tudi v lastno smrt in preko nje. Preporod svobodnjaškega gibanja v Knittelfeldu, odcepitev BZÖ, prisiljen odstop od funkcije in slavna vrnitev, prostovoljni osdstop, preklic odstopa in zmagoslavna vrnitev na zvezno politično raven – vse mojstrska dramaturgija desničarske retorike in mobilizacije mas. Celo ideja samostojne svobodne Koroške ni manjkala.
Dogajanje zadnjih tednov in let v NSKS je prineslo odcepitev SKS, prostovoljno razpustitev in njen preklic, proglasitev lastnega parlamenta, odstop predsedstva in sem že zelo radoveden, kako bo šlo s tem naprej. Tukaj zadeva še ni zaključena. Obujanje spomina na bombne atentate iz sedemdesetih let pride skorajda prav. Simbolični kolektivni suicid sicer ni uspel, vendar naj bi vedel do psevdoracionalne odrešitve nacionalizacije etničnih vprašanj pod streho nasilnega političnega skupnega zastopstva, ki ga želi k večjemu 1/3 koroških Slovencev. Slika apokalipse po koroško slovensko, napovedovanje nagrobnih govorov ob koncu koroško slovenskega sveta naj bi vodili do priznanja in zmagoslavne vrnitve in priznanja ekskluzive, in sicer na začetku vsaj v Ljubljani.
Kaj pa imam jaz z vsem tem? Ob zaščiti liberalno demokratične svobode do lastne identitete pač ne pojmujem skupno politično strukturo kot bistven del mojega slovenskega bitja. Mislim, da tega tudi ne dela sociologija, psihologija, politologija in sigurno ne filozofija in demokracija. Nekdo mi pa sugerira, da se temu pojmovanju moram podrediti, ker bo drugače konec sveta in ker mogoče sicer nisem več Slovenec. Evo, pa naj takšen Slovenec tudi ne bom: branje slovenske knjige, obisk gledališča, poslušanje slovenske pesmi in seveda slovenski razgovor mi pravzaprav zadoščajo. Ta vojna ni moja vojna in taka skupnost ni moja skupnost.
Filip Ogris-Martič
balkansko ali evropsko razmišljanje?
02.04.2010
Predsednik komisije državnega zbora za Slovence v zamejstvu in posvetu, Miro Petek je v intervjuju za slovenski spored ORF med drugim dejal, da odklanja "pajdašenje z Hajmatdienstom pod krinko nekega konsenza". S tem je kritiziral mene in Bernarda Sadovnika in naju pozval, da naj slediva (glej vpis spodaj) politiki NSKS.
Miro Petek je član SDS in ima očitno slab spomin. Ko je namreč bil predsednik slovenske vlade Janez Janša in zunanji minister Dimitrij Rupelj je nastala takoimenovana konsenzna skupina, ki jo je sklical tedanji zvezni kancler Schüssel. Tedanja slovenska vlada ni govorila o kakem "pajdašenju z hajmatdienstom pod krinko nekega konsenza". Res pa je bilo, da je tudi tedaj Karel Smolle in NSKS jurišal zoper Janšo in Rupla. Vmes je ta konsenzna skupina dobila državljansko odlikovanje evropskega parlamenta, ustavno nagrado ustavnega foruma, ki mu predseduje bivši predsednik ustavnega sodišča dr. Korinek in kulturno nagrado mesta Beljak.
Toda kaj stoji za miselnostjo, ki jo je izrazil Miro Petek? Evropsko združevanje temelji namreč na sodelovanju, dialogu in preseganju starih travm in zamer. Podlago za to so položili Francozi in Nemci, ki so po strahotah druge svetovne vojne in stoletju medsebojnega vojskovanja in klanja, po drugi svetovni vojni začeli sodelovati, ubrali pot dialoga in sodelovanja in s tem položili temelje za Evropsko unijo. Tudi v konsenzni skupni smo ubrali pot dialoga in sodelovanja, ker ni alternative k temu.
Seveda smo na Koroškem še soočeni z balkansko miselnostjo, ki temelji na dihotomiji, na delitvah in konzerviranju starih travm in predsodkov. To balkansko miselnost skušamo v konsenzni skupini odpravljati in predsednik koroškega hajmatdiensta tudi spreminja svojo miselnost.
To je naša skupna evropska usoda, da sodelujemo in odpravljamo predsodke. Zato si želim, da bi tudi v Sloveniji politiki nekoliko globlje razmišljali in ne pristali na nivoju pocenih polemik...
Miro Petek je član SDS in ima očitno slab spomin. Ko je namreč bil predsednik slovenske vlade Janez Janša in zunanji minister Dimitrij Rupelj je nastala takoimenovana konsenzna skupina, ki jo je sklical tedanji zvezni kancler Schüssel. Tedanja slovenska vlada ni govorila o kakem "pajdašenju z hajmatdienstom pod krinko nekega konsenza". Res pa je bilo, da je tudi tedaj Karel Smolle in NSKS jurišal zoper Janšo in Rupla. Vmes je ta konsenzna skupina dobila državljansko odlikovanje evropskega parlamenta, ustavno nagrado ustavnega foruma, ki mu predseduje bivši predsednik ustavnega sodišča dr. Korinek in kulturno nagrado mesta Beljak.
Toda kaj stoji za miselnostjo, ki jo je izrazil Miro Petek? Evropsko združevanje temelji namreč na sodelovanju, dialogu in preseganju starih travm in zamer. Podlago za to so položili Francozi in Nemci, ki so po strahotah druge svetovne vojne in stoletju medsebojnega vojskovanja in klanja, po drugi svetovni vojni začeli sodelovati, ubrali pot dialoga in sodelovanja in s tem položili temelje za Evropsko unijo. Tudi v konsenzni skupni smo ubrali pot dialoga in sodelovanja, ker ni alternative k temu.
Seveda smo na Koroškem še soočeni z balkansko miselnostjo, ki temelji na dihotomiji, na delitvah in konzerviranju starih travm in predsodkov. To balkansko miselnost skušamo v konsenzni skupini odpravljati in predsednik koroškega hajmatdiensta tudi spreminja svojo miselnost.
To je naša skupna evropska usoda, da sodelujemo in odpravljamo predsodke. Zato si želim, da bi tudi v Sloveniji politiki nekoliko globlje razmišljali in ne pristali na nivoju pocenih polemik...
ilegalni sosvet, ilegalni NSKS?
02.04.2010
Funkcijska perioda sosveta za slovensko narodno skupnost pri uradu zveznega kanclerja je potekla. Urad zveznega kanclerja si zdaj pomaga tako, da skliče bivše člane sosveta na podlagi zakona o ministrstvih in jih prosi za mnenja - zadnjič npr. glede razdelitev podpor za leto 2010. Predstavniki NSKS so govorili o "ilegalnem sosvetu" in se seje sploh niso udeležili. To je sicer njihova pravica, a urad zveznega kanclerja ima seveda pravico, da do ponovnega imenovanja rednega sosveta, skliče bivše člane sosveta na podlagi zakona o ministrvih (Bundesministeriengesetz).
V tej luči bi človek pričakoval, da bodo predstavniki NSKS v sosvetu opozorili tudi na dejstvo, da je funkcisjka perioda zbora narodnih predstavnikov že zdavnaj potekla in je potemtakem vsako zasedanje tega zbora "ilegalno". Karla Smolleja je potemtakem izvolilo 26 članov "ilegalnega" zbora narodnih predstavnikov.
Nekateri slovenski mediji so seveda transportirali novico o "ilegalnem" sosvetu, o "ilegalnem" zboru narodnih predstavnikov pa niti besede niso črhnili. Čudna logika.
V luči tega bi si človek pričakoval, da bodo slovenski politiki, ki vedno spet upravičeno opozarjajo, da v Avstriji pravna država na nekaterih segmentih manjšinskega varstva ne funkcionira, opozorili tudi NSKS, da mora najti demokratično legitimacijo za svoje vodstvene organe.
Očitno je tako, da NSKS svojih volitev ne more/noče več izpeljati. Zato zdaj sili v neko famozno "skupno zastopstvo", da bi zakril banalno resnico, da bi moral že zdavnja na podlagi obstoječe avstrijske zakonodaje izvesti svoje volitve.
NSKS do nadaljnega predstavlja organizacijo, ki šteje točno 48 članov. V tej luči dobiva prizadevanje sedmih slovenskih evroposlancev in predsednika slovenske države za "pogumne korake" NSKS pikantno noto....
V tej luči bi človek pričakoval, da bodo predstavniki NSKS v sosvetu opozorili tudi na dejstvo, da je funkcisjka perioda zbora narodnih predstavnikov že zdavnaj potekla in je potemtakem vsako zasedanje tega zbora "ilegalno". Karla Smolleja je potemtakem izvolilo 26 članov "ilegalnega" zbora narodnih predstavnikov.
Nekateri slovenski mediji so seveda transportirali novico o "ilegalnem" sosvetu, o "ilegalnem" zboru narodnih predstavnikov pa niti besede niso črhnili. Čudna logika.
V luči tega bi si človek pričakoval, da bodo slovenski politiki, ki vedno spet upravičeno opozarjajo, da v Avstriji pravna država na nekaterih segmentih manjšinskega varstva ne funkcionira, opozorili tudi NSKS, da mora najti demokratično legitimacijo za svoje vodstvene organe.
Očitno je tako, da NSKS svojih volitev ne more/noče več izpeljati. Zato zdaj sili v neko famozno "skupno zastopstvo", da bi zakril banalno resnico, da bi moral že zdavnja na podlagi obstoječe avstrijske zakonodaje izvesti svoje volitve.
NSKS do nadaljnega predstavlja organizacijo, ki šteje točno 48 članov. V tej luči dobiva prizadevanje sedmih slovenskih evroposlancev in predsednika slovenske države za "pogumne korake" NSKS pikantno noto....


