moj govor ob podelitvi Rizzijeve nagrade Petru Handkeju
04.12.2010
Spoštovana gostitelja, družina Liaunig, spoštovani gospod župan, spoštovana gospa konzulka Malle Jerman, dragi častni gostje, cenjene dame in gospodje, spostovani Peter Handke.
Sehr geehrte Gastgeberfamilie Liaunig, sehr geehrter Herr Bürgermeister, verehrte Ehrengäste, sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Peter Handke.
Mit dem Frieden ist es scheinbar ähnlich wie mit dem Glück. Beide entspringen, wo Menschen sind, einem meist mühsamen Bestreben und sehnsüchtigen Wollen - und ihr Andauern in Hinkunft scheint doch niemals endgültig gewährleistet zu sein.
Ich bin überzeugt, daß gerade deshalb alle zivilisierten Formen des Ankämpfens gegen stets aufkommende und oft verheerende Gegenwinde unverzichtbar sind zur Erlangung einer friedlichen und lebenswerten, vielleicht gar glücklichen Zukunft - mehr noch, unverzichtbar sind zur Sicherung des menschlichen Überlebens.
Die Kunst hat auf dieser Weltbühne des Erfahrbaren stets eine herausragende Rolle eingenommen und wird es offensichtlich auch weiterhin tun. Ihr Doppelwesen, das den menschlichen Geist immer wieder erfreute, erweiterte und emporhob, erfüllte auf der abenteuerlichen Reise der Menschheit durch die Zeit unentwegt auch die wichtige Rolle des Mahners, gab Hand in Hand mit dem wachsenden historischen Gedächtnis die notwendige Orientierung zur Vermeidung schicksalhafter Fehlentwicklungen bzw. dem Wiederholen derer.
Unser zweisprachiges Kärnten, in dem zahlreiche geschichtliche Wirren schmerzhafte unschöne Verwundungen hinterließen, hat ein natürliches Recht auf ein Streben zur Sonnenseite des Lebens. Dieses Recht darf man einfordern wollen, anhaltend umsetzen kann man es jedoch nur in einem fruchtbaren Klima des Vertrauens, der Aufrichtigkeit und der gewollten guten friedlichen Nachbarschaft. Das können wir dauerhaft nur gemeinsam erfahren in einer aufgeklärten Welt des wachsenden Wissens und deren unverfälschter Widerspiegelung in der Kunst, in der Toleranz ohne Angst vor gegenwärtiger und geschichtlicher Wahrheit vorherrschen. In einem Kärnten, das neben seinen
zauberhaften Landschaften und vielem anderem niemals auch den Reichtum seiner einzigartigen alpe-adriatischen Vielfalt, seiner zweier Sprachen, seiner Literatur Peter Handkes oder seines großartigen Museums Liaunig missen möchte.
Spostovane dame in gospodje.
Sehr geehrte Damen und Herren.
Es ist mir eine große Freude, Sie alle zu diesem besonderen Augenblick, zur diesjährigen Verleihung des Vinzenz-Rizzi-Preises an eine herausragende Persönlichkeit der Literatur unserer Zeit namens des Slowenischen Kulturverbandes / Slovenska prosvetna zveza und des Zentralverbandes slowenischer Organisationen in Kärnten / Zveza slovenskih organizacij na Koroskem recht herzlich begrüßen zu dürfen.
Es wurde uns die Genugtuung und Ehre zuteil, heute einen der bedeutendsten lebenden Schriftsteller - den Dichter, Drammatiker und Erzähler Peter Handke mit dem Vinzenz-Rizzi-Preis zu ehren, einer Auszeichnung, deren Symbolik zeitlos in ihrer gesellschaftspolitischen Herausforderung an den Menschen ist und auch im zusammenwachsenden neuen Europa von heute nichts an seinem mahnenden Wesen, Brisanz und Aktualität eingebüßt hat. Nachdem er mit seinen Visionen weit über Kärnten und Österreich hinaus Gehör gefunden hat, wirkt nun Handkes aufgenöffnendes Tun auch auf seine Heimat im engeren Sinn des Wortes.
Vor 18 Jahren verliehen der Slowenische Kulturverband / Slovenska prosvetna zveza und der Zentralverband slowenischer Organisationen in Kärnten / Zveza slovenskih organizacij na Koroskem den Vinzenz-Rizzi-Preis erstmalig. Seither werden mit dem Preis Menschen und Organisationen ausgezeichnet, die sich besonders verdient gemacht haben in ihrem Bestreben um zwischenmenschliche Verständigung und Koexistenz, die mit ihrem vorbildlichem Wirken anzeigen, daß die Rechte der Kärntner Slowenen unantastbare Menschenrechte sind und umgesetzt werden müssen.
Vinzenz Rizzi, nach dem der Preis benannt ist, hat sich für die Gleichberechtigung der Völker in der Habsburgmonarchie eingesetzt. Sein Apell an Kärnten war: "Nicht unterdrücken, sondern erlernen muß man die slowenische Sprache!"
Die heute hier stattfindende symbolische Verbeugung vor der Persönlichkeit und dem Werk des Dichters Peter Handke ist eine vergleichbar bescheidene, jedoch zutiefst empfundene aufrichtige Geste der Dankbarkeit und Anerkennung für das herausragende literarische und mit ihm gesellschaftspolitische Wirken des Autors insbesondere auch als unüberhörbarer Rufer in der Geisteswüste Kärnten, der eine umfassende Gleichberechtigung für seine slowenische Sprache einfordert.
Peter Handke hat nicht nur der slowenischen Literatur mit Übersetzungen von Florjan Lipuš' und Gustav Januš' Werken einen unschätzbaren Dienst erwiesen, auch seine Romane und Erzählungen - ein neuer Höhepunkt seines dichterischen Schaffens ist seine literarische Reise zwischen Traum und Wirklichkeit "Immer noch Sturm", Stationen der Familiengeschichte, darunter jene des 2. Weltkrieges zwischen Partisanen und Nazis, mit der er bereits Platz eins der ORF-Bestenliste im November erklommen hat - tragen neben ihrem literarischen Gewicht und vor allem auch mit diesem zum wahrhaftigeren Antlitz der Welt bei, in der auch mehr Platz für ein anderes Kärnten mit einem wahrhaftigeren Antlitz sein sollte.
Spoštovane dame in gospodje, spoštovani Peter Handke!
Veseli me, da Vas smemo odlikovati z nagrado Vincenza Rizzija, ki jo vsako leto podelujemo osebnostim in organizacijam za izredne dejavnosti na področju medkulturnega sporazumevanja. Ste pisatelj svetovnega slovesa in pomena in kljub temu ste ostali zakoreninjen v svoji rojstni regiji. S prevodom Florjana Lipuša in Gustava Januša ter z javnim opozarjanjem na pomen memoarske literature Karla Prušnika Gašperja, Andreja Kokota, Lipeja Kolenika in Tončija Haderlapa ste nam dali poguma in samozavesti. Prisrčna hvala.
Danke für Ihre Aufmerksamkeit
Hvala za Vašo pozornost
Sehr geehrte Gastgeberfamilie Liaunig, sehr geehrter Herr Bürgermeister, verehrte Ehrengäste, sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Peter Handke.
Mit dem Frieden ist es scheinbar ähnlich wie mit dem Glück. Beide entspringen, wo Menschen sind, einem meist mühsamen Bestreben und sehnsüchtigen Wollen - und ihr Andauern in Hinkunft scheint doch niemals endgültig gewährleistet zu sein.
Ich bin überzeugt, daß gerade deshalb alle zivilisierten Formen des Ankämpfens gegen stets aufkommende und oft verheerende Gegenwinde unverzichtbar sind zur Erlangung einer friedlichen und lebenswerten, vielleicht gar glücklichen Zukunft - mehr noch, unverzichtbar sind zur Sicherung des menschlichen Überlebens.
Die Kunst hat auf dieser Weltbühne des Erfahrbaren stets eine herausragende Rolle eingenommen und wird es offensichtlich auch weiterhin tun. Ihr Doppelwesen, das den menschlichen Geist immer wieder erfreute, erweiterte und emporhob, erfüllte auf der abenteuerlichen Reise der Menschheit durch die Zeit unentwegt auch die wichtige Rolle des Mahners, gab Hand in Hand mit dem wachsenden historischen Gedächtnis die notwendige Orientierung zur Vermeidung schicksalhafter Fehlentwicklungen bzw. dem Wiederholen derer.
Unser zweisprachiges Kärnten, in dem zahlreiche geschichtliche Wirren schmerzhafte unschöne Verwundungen hinterließen, hat ein natürliches Recht auf ein Streben zur Sonnenseite des Lebens. Dieses Recht darf man einfordern wollen, anhaltend umsetzen kann man es jedoch nur in einem fruchtbaren Klima des Vertrauens, der Aufrichtigkeit und der gewollten guten friedlichen Nachbarschaft. Das können wir dauerhaft nur gemeinsam erfahren in einer aufgeklärten Welt des wachsenden Wissens und deren unverfälschter Widerspiegelung in der Kunst, in der Toleranz ohne Angst vor gegenwärtiger und geschichtlicher Wahrheit vorherrschen. In einem Kärnten, das neben seinen
zauberhaften Landschaften und vielem anderem niemals auch den Reichtum seiner einzigartigen alpe-adriatischen Vielfalt, seiner zweier Sprachen, seiner Literatur Peter Handkes oder seines großartigen Museums Liaunig missen möchte.
Spostovane dame in gospodje.
Sehr geehrte Damen und Herren.
Es ist mir eine große Freude, Sie alle zu diesem besonderen Augenblick, zur diesjährigen Verleihung des Vinzenz-Rizzi-Preises an eine herausragende Persönlichkeit der Literatur unserer Zeit namens des Slowenischen Kulturverbandes / Slovenska prosvetna zveza und des Zentralverbandes slowenischer Organisationen in Kärnten / Zveza slovenskih organizacij na Koroskem recht herzlich begrüßen zu dürfen.
Es wurde uns die Genugtuung und Ehre zuteil, heute einen der bedeutendsten lebenden Schriftsteller - den Dichter, Drammatiker und Erzähler Peter Handke mit dem Vinzenz-Rizzi-Preis zu ehren, einer Auszeichnung, deren Symbolik zeitlos in ihrer gesellschaftspolitischen Herausforderung an den Menschen ist und auch im zusammenwachsenden neuen Europa von heute nichts an seinem mahnenden Wesen, Brisanz und Aktualität eingebüßt hat. Nachdem er mit seinen Visionen weit über Kärnten und Österreich hinaus Gehör gefunden hat, wirkt nun Handkes aufgenöffnendes Tun auch auf seine Heimat im engeren Sinn des Wortes.
Vor 18 Jahren verliehen der Slowenische Kulturverband / Slovenska prosvetna zveza und der Zentralverband slowenischer Organisationen in Kärnten / Zveza slovenskih organizacij na Koroskem den Vinzenz-Rizzi-Preis erstmalig. Seither werden mit dem Preis Menschen und Organisationen ausgezeichnet, die sich besonders verdient gemacht haben in ihrem Bestreben um zwischenmenschliche Verständigung und Koexistenz, die mit ihrem vorbildlichem Wirken anzeigen, daß die Rechte der Kärntner Slowenen unantastbare Menschenrechte sind und umgesetzt werden müssen.
Vinzenz Rizzi, nach dem der Preis benannt ist, hat sich für die Gleichberechtigung der Völker in der Habsburgmonarchie eingesetzt. Sein Apell an Kärnten war: "Nicht unterdrücken, sondern erlernen muß man die slowenische Sprache!"
Die heute hier stattfindende symbolische Verbeugung vor der Persönlichkeit und dem Werk des Dichters Peter Handke ist eine vergleichbar bescheidene, jedoch zutiefst empfundene aufrichtige Geste der Dankbarkeit und Anerkennung für das herausragende literarische und mit ihm gesellschaftspolitische Wirken des Autors insbesondere auch als unüberhörbarer Rufer in der Geisteswüste Kärnten, der eine umfassende Gleichberechtigung für seine slowenische Sprache einfordert.
Peter Handke hat nicht nur der slowenischen Literatur mit Übersetzungen von Florjan Lipuš' und Gustav Januš' Werken einen unschätzbaren Dienst erwiesen, auch seine Romane und Erzählungen - ein neuer Höhepunkt seines dichterischen Schaffens ist seine literarische Reise zwischen Traum und Wirklichkeit "Immer noch Sturm", Stationen der Familiengeschichte, darunter jene des 2. Weltkrieges zwischen Partisanen und Nazis, mit der er bereits Platz eins der ORF-Bestenliste im November erklommen hat - tragen neben ihrem literarischen Gewicht und vor allem auch mit diesem zum wahrhaftigeren Antlitz der Welt bei, in der auch mehr Platz für ein anderes Kärnten mit einem wahrhaftigeren Antlitz sein sollte.
Spoštovane dame in gospodje, spoštovani Peter Handke!
Veseli me, da Vas smemo odlikovati z nagrado Vincenza Rizzija, ki jo vsako leto podelujemo osebnostim in organizacijam za izredne dejavnosti na področju medkulturnega sporazumevanja. Ste pisatelj svetovnega slovesa in pomena in kljub temu ste ostali zakoreninjen v svoji rojstni regiji. S prevodom Florjana Lipuša in Gustava Januša ter z javnim opozarjanjem na pomen memoarske literature Karla Prušnika Gašperja, Andreja Kokota, Lipeja Kolenika in Tončija Haderlapa ste nam dali poguma in samozavesti. Prisrčna hvala.
Danke für Ihre Aufmerksamkeit
Hvala za Vašo pozornost


