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04.02.2012
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Florjan Lipuš: DAS GROSSE KÄRNTNER SAGEN
Ich gehöre auch zu denen, die einem betrunkenen, durch Selbstschuld tödlich verunglückten Autoraser keine Träne nachweinen, und schon gar nicht, wenn dieser eine hohe öffentliche Stellung bekleidet hat und somit die verdammte Pflicht hatte, Vorbild zu sein, für alle und in jeder Hinsicht. Als ein Leben lang sich meiner slowenischen Muttersprache Bedienender habe ich auch keinen Grund dazu, der Verunfallte hat meine Volksgruppe mit Genuß vorgeführt und meine Sprache verachtet. Um die Bedeutung der Sprache als das Wichtigste einer Nation wissend, hat sich dieser hohe Herr, bar jeden Respekts, grinsend darüber hinweggesetzt. Habe auch keine Kerze angezündet und gehöre auch nicht zu den in den Kondolenzbüchern verewigten Kärntner Slowenen. Aber die können diese Zeichen wohl nur aus tiefstem katholischen Urverständnis heraus gesetzt haben: Wenn dich jemand auf die rechte Wange schlägt, so schlage dich selbst auf die linke. Sie glaubten wohl, er wäre der Landeshauptmann aller Kärntner gewesen. War er nicht. Die Katholiken und andere Heiden haben es derweil weit gebracht: Ein Menschenleben gefährdender Raser, der zeitlebens den Humanismus verhöhnt und keinen Respekt vor Höherem hatte; der sich gottähnlich alle Bosheiten der Welt erlaubte; der unnötige Konflikte, Ausgrenzung, Feindbilder, Fremdenhaß produzierte; der gegen die Privilegien der anderen wetterte, aber die seinen in vollen Zügen genoß; der mit Vergnügen die politische Kultur mit Füßen trat und dem es wie keinem anderen gelang, die Atmosphäre zwischen den Volksgruppen für Generationen zu vergiften, dieser Untote mit seinen heilbringenden Tätigkeiten wird sogleich zum christlichen Idol erklärt. Die katholische Kirche sprang auf den in Fahrt geratenen Zug auf und setzte sogleich zur Heiligenverehrung an, kaum hatten die Kärntner Medien mit der Heiligsprechung begonnen. Auch die evangelische Kirche glaubte, die Gnadengabe (= Charisma) bemerkt zu haben bei dem »im Leben wie im Sterben als skrupellos in Erscheinung Getretenem« (Oliver vom Howe) und bei seinen segensreichen Aktionen. Johannes Mario Simmel, auch ein Toter dieser Tage, vermerkte einmal: »Die großen Vier in Jalta müssen besoffen gewesen sein, als sie feststellten, Österreich sei eine befreite Nation und das erste Opfer der Hitler-Aggression«. Die Kirchen eben müssen nicht besoffen, aber umnachtet gewesen sein. Was noch schlimmer ist, denn der Rausch verraucht, die Umnachtung bleibt.

Nicht zufällig hat Wolfgang Schüssel als erster an oberster Stelle die menschenverachtende Politik und die dazu passende sprachliche Gehässigkeit salonfähig gemacht und damit ein nie entnazifiziertes Land wie Kärnten in seiner Geisteshaltung bestärkt und aufgewertet. So ist manche Unwürdigkeit inzwischen gewöhnlich geworden, im Land der Trachten und der GTI-Fahrer, im Land der Populisten und Egozentriker, die das große Sagen haben und das ganze Land für sich vereinnahmen, obwohl nur von einem Teil der Bevölkerung gewählt. Sie haben Kärnten für sich gepachtet und stülpen ihre geistigen Segnungen über alle. Sie haben keinen Respekt vor Andersdenkenden, auch nicht vor sich selbst. Wie sonst kann das Fehlen der Schamschwelle erklärt werden? Eine Schamschwelle ist praktisch nicht vorhanden. Die politische Stumpfheit, Verbohrtheit, Unbelehrbarkeit, Primitivität feiern fröhliche Urständ. Und der übergeordnete »Rechtsstaat«? Die »Argumente« gegen zweisprachige Ortstafeln können an Dummheit und Dreistigkeit nicht mehr überboten werden. In Kärnten geht das Recht nicht von der Verfassung, sondern von den Launen der »Volksempfindlichen« aus. Und schon immer haben sich krankhafte Geister für die gesündesten gehalten.

Politisch, kulturell, ökonomisch ist Kärnten Schlußlicht. Trotzdem keine Visionen, dafür aber Mythen. Die öffentlich beworbene Kultur dieses Landes besteht aus Volksbrauch und Gesang. Der Kärntner feiert das Polentafest, das Gulaschfest, das Schinkenfest, das Käsefest, das Hadnfest, das Salami- und Speckfest. Kärnten ist sich zu nichts schade, Kärnten ist nichts peinlich. Die wirklich kulturellen Ereignisse im Sinne von Anspruch werden von dieser Kärntner Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Wirkliche Kultur kommt auf privates Betreiben zustande, beruht auf Privatinitiativen und auf dem persönlichen Engagement der Interessensgruppen. Sie hebt sich wohltuend von dem offiziellen Stumpfsinn ab. Aber sie dient als Alibi und wird gern als Beleg für Kärntens ungemein hohes Kulturschaffen angeführt. Nicht alle können Kärnten verlassen, viele sind gezwungen zu bleiben. Aufschreie gibt es schon lange nicht mehr. So soll es auch bleiben. Man hat nicht vor, in Kärnten etwas zu ändern. Die leicht zu habende und leicht handzuhabende, auf schlichte Gemüter bauende Provinzposse wird von den Kärntner Großtuern und Politopportunisten am Brodeln gehalten. Die wahren Probleme mögen anderswo angegangen werden!

Nun sind vor gar nicht so langer Zeit unzählige Österreicher verschiedener Muttersprachen Opfer dieser Gesinnung geworden. Ihnen allen, den Millionen in den KZs Umgebrachten, dem Widerstand, den Partisanen, haben wir es zu verdanken, daß wir heute in einer freien Demokratie leben können. Richtig, die Aufarbeitung in Österreich geht schleppend vor sich, aber sie geht vor sich, in Kärnten findet sie nicht statt. Hier wird nicht nur der Nazi-Ungeist weitergereicht, hier werden Naziverbrecher geschützt und gehegt. Während die Menschen in den KZs dahinstarben, konnten ihre Peiniger und Mörder in ferne Staaten flüchten. Der Historiker Gerald Steinacher schildert in seinem Buch »Nazis auf der Flucht« (Studienverlag, Innsbruck, Wien, Bozen, 2008) detailiert, wie etwa 500 NS-Schergen und 50 Massenmörder mit Unterstützung der katholischen Kirche ihre Haut retten konnten. Katholische Geistliche, Pfarrhöfe und Klöster versteckten sie, besorgten ihnen Reisedokumente und verhalfen ihnen zur Flucht über Italien nach Übersee und anderswohin. Wie es wohl kein faschistisches Regime auf der Welt gab und gibt, das die katholische Kirche nicht unterstützt oder gar selbst einzurichten geholfen hätte. Milivoj Ašner, Nummer vier auf der Liste der meistgesuchten Nazi-Kriegsverbrecher, blieb dank Kärnten auch dies erspart, er kann unbehelligt seine alten Tage in Klagenfurt verbringen. Nachfolger alter Nazis, ihre Enkel und Kinder sind heute in fast allen Parteien integriert und setzen ihre Ziele mit anderen Mitteln fort.

Nun kann man die Schuld an diesem armseligen geistigen Zustand eines Bundeslandes nicht dem Politiker allein zuschieben. Er hat die Intoleranz nicht eingeführt, um an die Macht zu kommen und an der Macht zu bleiben, sondern er hat sich nur der vorhandenen Intoleranz bedient. Er hat die Fremdenfeindlichkeit nicht erfunden, er hat sich nur in ihre erste Reihe gestellt. Der Führer hat sich sein Volk ausgesucht, ebenso wie das Volk seinen Führer installiert hat. Die Kärntner Politiker haben die Windfahnen gesehen und haben die ihre danach ausgerichtet. Sie sind Handlanger dieser in Jahrhunderten im Volk befestigten und erstarrten Politik, damit sie an die Macht kommen und dort bleiben können, sie sind ihre Wasserträger. Sie führen das Volk nicht, sie laufen dem Volk nach. Nur keine Vorgaben für geistig Anspruchsvolles, nur nichts Anstrengendes, nichts Außergewöhnliches! Die große Mitläuferin, die Kirche, hat am geistigen Zustand des Landes wesentlichen Anteil: sie hat Schlimmes nicht verhindert und Besseres trotz zahlreicher Bemühungen beider Volksteile in Kärnten nicht zustandegebracht. Sie hat den Verstand schon immer mißbraucht, um das machtbetonte Vorleben nach dem zurechtgebogenen Glauben zu rechtfertigen. Vielen genügt dieser Einblick und sie wenden sich ab. Man braucht nicht auf die heutigen rückwärtsgewandten lächerlichen päpstlichen Machtdemonstrationen zu warten, allein schon die Verbrechen, begangen im Namen des Glaubens, genügen.

Das Phänomen der Vernarrtheit in die Macht sei nichts anderes als der Ausgleich von Minderwertigkeitsgefühlen, von angeschlagenem Selbstbewußtsein, von Unsicherheit, von schlechtem, bösem Gewissen, belehren uns Psychologen. »Großzügigkeit leisten kann sich nur jemand, der sich nicht klein fühlt. Österreich schrumpft von Tag zu Tag« (Ruth Beckermann, Filmemacherin). »Nach Gesetzen vorgehen muß man, wenn es um ein paar arme Teufel geht, aber wenn ein Landeshauptmann und sein Nachfolger das ,gesunde Volksempfinden' über die Gesetze stellen« (Hans Rauscher), dann brechen wir lieber die Gesetze, ganz offiziell und laut, damit es auch die ganz Dumpfen sehen und dem Beispiel folgen können.

Die das große Sagen haben in Kärnten, haben es auch lauthals, lärmend und marktschreierisch. Vernunftsargumente und Augenmaß zählen nicht, es gibt kein Durchkommen, Bemühungen um Ausgleich sind verlorene Liebesmühen. Der Rest ist schweigende Mehrheit. Der slowenischen Bevölkerung wird vor Augen geführt, sich ihrer Wurzeln zu entledigen, auf sie zu verzichten. So wie es bisher Generationen, auch Generationen von Politikern, bereits getan haben und diesen Prozeß hinter sich haben. So hat man die richtigen Leute fürs »gesunde Volksempfinden«. Auf die Verbliebenen wird hartnäckig gewartet, entsprechend dem tausendjährigen Spruch: Macht mir das Land deutsch, und beeilt euch! Kärnten ist ein Glanzbeispiel an gesunder Intelligenz: Bäume sollen ihre Wurzeln abwerfen, Bäume sollen vom Wurzelwerk abgeschnitten werden, damit sie den richtigen Kärntner Wuchs erlangen. Auch Menschen brauchen Wurzeln, die erst recht, um im selischen Gleichgewicht zu bleiben. Halb Kärnten wird von Entwurzelten bevölkert.
Ossetien-Russland-Georgien
© by Noam Chomsky, September 2008
Übersetzung: Helge Stromberger

Entgeistert über die Gräuel, die das auf den Philippinen vordringende U.S.-Militär verübt und die rhetorischen Höhenflüge über Befreiung und edle Absichten, die die Verbrechen des Staates routiniert begleiten, warf Mark Twain die Hände empor wegen seiner Unfähigkeit durch die scharfe Waffe der Satire einen Einfluss auszuüben. Das unmittelbare Objekt seiner Frustration war der berühmte General Funston. "Keine Satire von Funston könnte Perfektion erreichen", klagte Twain, "da Funston ihren Gipfelpunkt besetzt hat …. (er ist) die Inkanation der Satire".
Ein Gedanke, der einem oft in den Sinn kommt. Einmal mehr im August 2008 während des russisch-ossetisch-georgischen Krieges. George Bush, Condoleeza Rice und andere Würdenträger beschwören feierlich die Heiligkeit der Vereinten Nationen und verwarnen Russland es könnte aus internationalen Institutionen ausgeschlossen werden, wenn es "in Georgien Schritte setzt, die unvereinbar sind mit" ihren Prinzipien. Die Souveränität und territoriale Integrität aller Nationen muss rigoros geachtet werden, betonen sie - "alle Nationen" bedeutet hier alle außer denen, die die U.S. für Angriffe ausgewählt haben: Irak, Serbien, vielleicht Iran, und eine Liste weiterer, die zu lang und zu bekannt ist, um sie hier zu erwähnen.
Der Junior-Partner schließt sich gleich an. Der britische Außenministier David Miliband klagt Russland an eine "19. Jahrhundert Form der Diplomatie" zu betreiben indem es in souveräne Staaten eindringt, etwas das Britannien heute niemals erwägen würde. "Das ist einfach nicht der Weg wie internationale Beziehungen im 21. Jahrhundert funktionieren können" fügt er hinzu und wiederholt damit den Oberkommandierenden im Weißen Haus, der sagte, dass die Invasion eines "souveränes Nachbarstaates … inakzeptabel ist im 21. Jahrhundert". Mexico und Kanada brauchen daher keine Furcht vor weiteren Invasionen und Annexionen großer Teile ihres Staatsgebietes zu haben, da die U.S.A. mittlerweile ausschließlich in Staaten eindringt, die nicht an ihren Grenzen liegen, obwohl solche Zwangsmaßnahmen für ihre Klienten gar nicht bereit gehalten werden, wie der Libanon einmal mehr im Jahr 2006 erfahren musste.
"Die Moral der Geschichte zeigt sich noch klarer", schrieb Serge Halimi in Le Monde Diplomatique, "wenn der charmante pro-amerikanische Saakashvili, um die Grenzen seines Landes zu verteidigen, einen Teil seiner 2000 Soldaten zurück holt, die er ausgesandt hat, um in den Irak einzumarschieren", mit einem der größten Kontingente, sieht man von den beiden Kriegs-Staaten ab.
Prominente Analysten schließen sich dem Chor an. Fareed Zakaria applaudierte Bush's Bemerkung, dass Russlands Verhalten heutzutage inakzeptabel ist, im Gegensatz zum 19. Jahrhundert, in dem "die russische Intervention eine Standard-Prozedur für eine große Macht gewesen wäre." Wir müssen daher eine Strategie entwickeln um Russland wieder "auf das Niveau der zivilisierten Welt" empor zu heben in der Interventionen undenkbar sind.
Da gab es sicher schon einiges, das mit Mark Twains Verzweiflung korrespondiert. Ein hervorragendes Beispiel ist Chris Patten, früherer EU-Kommissar für Außenbeziehungen, Vorsitzender der britischen Konservativen Partei, Kanzler der Oxford Universität und Mitglied des "House of Lord". Er schrieb, dass die Reaktion des Westens "ein ungläubiges zynisches Kopfschütteln erzeugt" - und verweist auf Europas Versäumnis auf die Frechheit der russischen Führung energisch zu antworten, die "wie ein Zar im 19. Jahrhundert eine Einflusssphäre rund um ihre Grenzen haben will".
Patten unterscheidet Russland zu Recht von der globalen Supermacht, die vor langer Zeit den Punkt überschritten hat, wo es eine Einflusssphäre rund um seine Grenzen forderte, und eine Einflusssphäre über die ganze Welt forderte. Dabei handelte es sich zugleich um das energische Erzwingen dieser Forderungen - in Übereinstimmung mit der Clinton Doktrin, wonach Washington das Recht hat militärische Gewalt anzuwenden, um vitale Interessen zu verteidigen wie die "Sicherung des ungehinderten Zugangs zu Schlüssel-Märkten, Energieversorgung und strategisch bedeutenden Ressourcen" - und in der realen Welt, noch weit mehr.
Clinton hat damit natürlich kein Neuland erschlossen. Seine Doktrin leitet sich aus Standard-Prinzipien her, die von hochrangigen Planern im Zweiten Weltkrieg formuliert wurden und eine Aussicht auf globale Dominanz offerierten. In der Nachkriegs-Welt legten sie fest, dass die U.S. darauf abzielen "eine unzweifelhafte Macht" in Händen zu halten, die zugleich die "Begrenzung jeder Ausübung von Souveränität" durch andere Staaten garantiert, die mit ihren eigenen globalen Entwürfen stören könnten. Um das Ziel zu erreichen war "das erstrangige Erfordernis die rasche Erfüllung eines Programms zur kompletten Wiederaufrüstung", ein Kern-Element einer "integrierten Politik um das Ziel der militärischen und ökonomischen Vormachtstellung der Vereinten Staaten zu erreichen". Diese Pläne wurden während des Kriegs vorgelegt und in verschiedener Weise in den Jahren danach implementiert.
Diese Ziele sind nun tief verwurzelt in stabilen institutionellen Strukturen. Daher erhalten sie sich während eines Wechsels beim Einzug ins Weiße Haus, und sind ungestört durch die Möglichkeit von 'Friedens-Dividenden', durch das Verschwinden des großen Rivalen von der Welt-Szene, oder anderer irrelevanter Marginalien. Das Erfinden neuer Herausforderungen ist nicht jenseits der Reichweite doktrinärer Manager, z.B. als sich Ronald Reagan die Cowboy-Stiefel anschnallte und den Nationalen Notstand ausrief, weil die Nikaraguanische Armee nur zwei Tage vor Harlingen (Texas) war, und ihre Horden womöglich angeleitet werden "die Vereinigten Staaten zu überschwemmen und das zu nehmen, was wir haben", wie sich Lyndon B. Johnson beklagte als er dazu aufrief in Vietnam die Stellung zu halten. Das Unheilvollste ist dabei, dass diejenigen die die Zügel in Händen haben ihren eigenen Worten tatsächlich glauben können.
Zurück zu den Bemühungen Russland in die zivilisierte Welt empor zu heben. Die sieben Mitglieder der Gruppe der acht Industriestaaten gaben eine Erklärung ab, die "das Vorgehen unseres G 8 Mitgliedstaates verurteilt": Russland, das die Anglo-Amerikanische Verpflichtung zur Nicht-Intervention noch begreifen muss. Die Europäische Union hält eine rare Krisen-Sitzung ab, um Russlands Verbrechen zu verurteilen, ihr erstes Treffen seit der Invasion des Iraks, das keine Verurteilung gebracht hat.
Russland verlangte eine Krisen-Sitzung des UNO-Sicherheitsrates, doch konnte kein Konsens erreicht werden, da übereinstimmend mit UNO Diplomaten die U.S.A., Britannien und einige andere eine Formulierung ablehnten, die beide Seiten dazu aufrief "auf den Gebrauch von Gewalt zu verzichten".
Diese typischen Reaktionen erinnern an George Orwell's Bemerkungen über die "Gleichgültigkeit gegenüber der Realität" bei "Nationalisten", die "nicht nur die Gräuel, verübt durch die eigene Seite nicht ablehnen, sondern …. eine bemerkenswerte Fähigkeit haben nicht einmal davon zu hören"
Die zugrunde liegenden Fakten sind nicht ernsthaft in Frage gestellt. Südossetien, wie die viel wichtigere Region Abchasien, wurden von Stalin seinem Heimatland Georgien zugeteilt. Westliche Führer ermahnen streng, dass Stalin's Direktiven trotz starker Opposition bei Osseten und Abchasiern zu respektieren sind. Die Provinzen erfreuten sich relativer Autonomie bis zum Niedergang der UDSSR. Im Jahr 1990 schaffte Georgiens ultranationalistischer Präsident Zviad Gamsakhurdia die autonomen Regionen ab und marschierte in Südossetien ein. Der folgende bittere Krieg hinterließ 1000 Tote und zehntausende Flüchtlinge mit einer Hauptstadt Tskhinvali "demoliert und entvölkert" (New York Times).
Kleine russische Truppenkontingente beaufsichtigten darauf einen unruhigen Waffenstillstand, der am 7. August 2008 gezielt gebrochen wurde, als Georgiens Präsident Saakashvili seiner Militärmacht befahl einzumarschieren. Übereinstimmend mit einer "großen Zahl von Zeugen", wie die Times berichtet, begann georgisches Militär gleichzeitig "zivile Sektoren der Stadt Tskhinvali und eine russische friedenserhaltende Basis zu zerstören mittels schwerem Sperrfeuer durch Raketen und Artillerie". Die vorhersehbare russische Antwort trieb die Georgischen Truppen aus Südossetien hinaus, und Russland ging dazu über Teile Georgiens zu erobern, worauf ein teilweiser Rückzug in die Nähe Südossetiens erfolgte. Es gab viele Opfer und Abscheulichkeiten. Wie üblich litten die Unschuldigen schwer.
Russland berichtete als erstes, dass zehn russische friedenserhaltende Soldaten durch Georgisches Artilleriefeuer getötet wurden. Der Westen nahm davon kaum Notiz. Das ist normal. Es gab zum Beispiel keine Reaktion als Aviation Week berichtete, dass 200 Russen 1982 bei einem israelischen Angriff im Libanon während einer US-gestützten Invasion getötet wurden, die insgesamt 15 bis 20 Tausend Tote hinterließ, mit keinem glaubwürdigen Vorwand der über die Verstärkung der israelischen Kontrolle über die besetzte Westbank hinausreicht.
Unter Osseten, die nach Norden flohen ist die "vorherrschende Sicht", in Übereinstimmung mit den London Financial Times, "dass Georgiens pro-westlicher Führer, Mikheil Saakashvili, die weg gebrochene Enklave auszulöschen versuchte". Ossetische Milizen trieben, unter russischen Augen, daraufhin ebenfalls Georgier brutal in Areale außerhalb Ossetiens. "Georgien sagt seine Angriffe waren notwendig, um den russischen Angriff zu stoppen, der bereits im Gang waren", berichtet die New York Times, aber Wochen später "gab es kein unabhängiges Beweismaterial, außer Georgiens Insistieren, dass seine Version wahr ist, dass russische Truppen angriffen bevor die Georgier das Sperrfeuer eröffneten".
In Russland, berichtet das Wall Street Journal, "haben Gesetzgeber, Funktionäre und lokale Analysten die Theorie aufgegriffen, dass die Bush-Administration seinen Alliierten Georgien ermutigte den Krieg zu beginnen, um eine international Krise herauf zu beschwören, was die nationale Sicherheits-Erfahrung von Senator John McCain, republikanischer Präsidentschaftskandidat, in den Vordergrund rücken würde." Im Kontrast dazu verkündet der französische Autor Bernard-Henri Levy, wenn er in New Republic schreibt, dass "niemand die Tatsache ignorieren kann, dass sich Präsident Saakashvili erst zum Handeln entschied als er nicht länger die Wahl hatte, und der Krieg bereits gekommen ist. Trotz der Akkumulation von Tatsachen, die allen gewissenhaften, gut meinenden Beobachtern blind einleuchten sollten, hetzen viele in den Medien wie ein Mann in Richtung der These von den Georgiern als Anstifter, als verantwortungslose Provokateure des Kriegs."
Das russische Propaganda System machte den Fehler Zeugenaussagen zu präsentieren, die einfach zu widerlegen waren. Sein westliches Gegenstück, um einiges klüger, hielt sich an autoritative Erklärungen wie Levy's Denunziation der großen westlichen Medien, sie ignorieren was "allen gewissenhaften, gut meinenden Beobachter blind einleuchtet", für die die Loyalität zum Staat genügt, um Die Wahrheit zu beweisen - die, vielleicht, sogar wahr ist, ernsthafte Analysten mögen zu dem Schluss kommen.
Die Russen verloren den "Propaganda Krieg", berichtete BBC, als es Washington und seinen Alliierten gelungen ist "die russischen Militäraktionen als Aggression zu präsentieren und den georgischen Angriff auf Süd Ossetien vom 7. August herunter zu spielen, der die russische Operation ausgelöst hat", obwohl "das Beweismaterial aus Süd Ossetien über den Angriff zeigte, dass er umfangreich und verheerend war". Russland hat "noch nicht gelernt wie das Medien Match gespielt werden muss", bemerkte die BBC. Das ist nur natürlich. Propaganda wird typischerweise intellektuell raffinierter, wenn die Länder freier werden und der Staat die Fähigkeit einbüßt die Bevölkerung durch Zwang zu kontrollieren.
Das russische Versäumnis glaubwürdige Beweise bereit zu stellen wurde zum Teil durch die Financial Times ausgeglichen, die entdeckte, dass das Pentagon für Gefechtstraining georgischer Spezial- und Kommandoeinheiten kurz vor der georgischen Attacke am 7. August Vorsorge getroffen hat. Die Enthüllungen könnten zusätzliches "Öl ins Feuer der Anklagen Wladimir Putins, russischer Premier Minister, vom letzten Monat gießen, dass die USA den Krieg in der georgischen Enklave 'orchestriert'" habe. Zum Teil wurde das Training von früheren US Spezial Einheiten durchgeführt, rekrutiert von privaten Militär-Unternehmern, einschließlich MPRI, die, wie die Zeitung schreibt, "vom Pentagon 1995 angeheuert wurden, um das kroatische Militär vor seiner Invasion in die ethnisch-serbische Krajina Region zur trainieren, was zur Vertreibung von 200.000 Menschen führte und eines der schlimmsten Ereignisse während der ethnischen Säuberungen im Balkan Krieg war". Die US-gestützte Krajina Vertreibung (insgesamt geschätzte 250.000, mit vielen Toten) war wahrscheinlich der schlimmste Fall von ethnischer Säuberung in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Ihr Schicksal in der allgemein akzeptierten Geschichtsschreibung ähnelt den Photographien Trotzki's im stalinistischen Russland aus einem einfachen und hinreichenden Grund: Es stimmt mit dem geforderten Bild von den edlen Vereinigten Staaten im Kampf gegen das serbische Übel nicht überein.
Der blutige Tribut des Kaukasus Krieges im August 2008 ist Gegenstand verschiedener Schätzungen. Ein Monat danach zitiert die Financial Times Russische Berichte, dass "mindestens 133 Zivilisten bei den Angriffen starben, ebenso wie 59 ihrer eigenen Friedenserhalter", während beim darauf folgenden Russischen Masseneinmarsch und Flächenbombardement in Georgien, übereinstimmend mit der Financial Times, 215 Georgier starben, einschließlich 146 Soldaten und 69 Zivilisten. Weitere Enthüllungen werden voraussichtlich folgen.
Im Hintergrund liegen zwei entscheidende Punkte. Der eine ist die Kontrolle über die Pipelines nach Aserbeidschan und Zentral Asien. Georgien wurde unter Clinton als Korridor gewählt, um Russland und den Iran zu umgehen, und wurde für den Zweck militärisch massiv aufgerüstet. Folglich ist Georgien "ein sehr großer und strategischer Gewinn für uns", wie Zbigniew Brzezinski bemerkte.
Es ist bemerkenswert dass mittlerweile Analysten weniger schweigsam werden beim Erklären der realen US-Motive in der Region als Vorwand für äußerste Drohungen und dem Verschwinden des Befreiungsmotivs, und dass es schwieriger wird vom irakischen Verlangen nach Rückzug der Okkupationsarmee abzulenken. So verwarnten die Herausgeber der Washington Post Barack Obama bezüglich Afghanistans als der "zentralen Front" der Vereinigten Staaten und erinnerten ihn daran, dass der Irak "im geopolitischen Zentrum des Mittleren Ostens liegt und einige der größten Ölreserven der Welt enthält", und Afghanistans "strategische Bedeutung neben der des Irak verblasst". Eine Einladung, wenn auch verspätet, die Realität der US-Invasion anzuerkennen.
Der zweite Punkt ist die Expansion der Nato nach Osten. Von George Kennan 1997 beschrieben als "der verhängnisvollste Irrtum der Amerikanischen Politik in der ganzen Ära seit dem Kalten Krieg, von dem das Aufflammen nationalistischer, anti-westlicher und militaristischer Tendenzen in der russischen öffentlichen Meinung erwartet werden kann; ein ungünstiger Effekt auf die Entwicklung der russischen Demokratie; die Restauration der Atmosphäre des Kalten Kriegs in den Ost-West Beziehungen."
Als die UDSSR im Begriff war sich aufzulösen, machte Michael Gorbatschow ein Zugeständnis, das im Licht der jüngsten Geschichte und strategischen Realitäten erstaunlich war: Er erklärte sich einverstanden dem vereinten Deutschland zu gestatten sich mit einer feindlichen militärischen Allianz zu verbinden. Diese "phantastische Konzession" wurde bejubelt von westlichen Medien, NATO, und Präsident Bush sen., er nannte es eine Demonstration des "Staatsmännischen … im besten Interesse aller Länder Europas, einschließlich der Sowjet Union".
Gorbatschow stimmte der phantastischen Konzession zu auf Basis der "Versicherung, dass die Nato ihre Zuständigkeit nicht nach Osten ausdehnt, 'keinen Inch' in (Außenminister) Jim Bakers exakten Worten". Diese Erinnerung von Jack Matlock, führender Sowjet Experte der US-Diplomatie und US-Botschafter in Russland in den entscheidenden Jahren 1987 bis 1991, wird bestärkt durch Strobe Talbott, der höchste offizielle Verantwortliche für Ost Europa in der Clinton Administration. Auf Basis eines vollständigen Überblicks über die diplomatische Aufzeichnungen berichtet Talbott, dass "Außenminister Baker zum damaligen Außenminister Eduard Shevardnadze, im Zusammenhang mit einer von der Sowjet Union nur ungern konzedierten Bereitschaft das vereinte Deutschland Teil der Nato bleiben zu lassen, sagte, dass sich die Nato nicht nach Osten ausweiten würde."
Clinton brach diese Verpflichtung sehr rasch, ebenso verwarf er Gorbatschow's Leistung durch Kooperation unter Partnern den Kalten Krieg zu beenden. Die Nato lehnte auch den Russischen Vorschlag einer Atomwaffen-freien-Zone von der Arktis bis zum Schwarzen Meer ab, das würde "den Plan die Nato auszuweiten behindern", bemerkte der strategische Analyst und früherer NATO Planer Michael MccGwire.
Solche Möglichkeiten ausschlagend nahm die U.S.A. einen triumphalistischen Standpunkt ein der die Russische Sicherheit bedrohte und auch eine wichtige Rolle spielte als Russland in einen schweren ökonomischen und sozialen Kollaps getrieben wurde, mit Millionen Toten. Der Prozess eskalierte sichtlich während Bush's weiterer Expansion der Nato, der Demontage entscheidender Abrüstungsabkommen, und eines aggressiven Militarismus. Matlock schreibt dass Russland eventuell die Einverleibung früherer russischer Satelliten in die Nato toleriert haben würde, wenn sie "nicht Serbien bombardiert (hätte) und kontinuierlich gewachsen wäre. Aber in der letztendlichen Analyse überschreiten ABM Raketen in Polen und das hinein Drängen von Georgien und der Ukraine in die NATO absolut rote Linien. Das Beharren auf der Anerkennung von Kosovo's Unabhängigkeit war der letzte Tropfen bevor das Fass zum Überlaufen kam. Putin hat gelernt, dass Konzessionen an die USA nicht erwidert sondern benutzt werden um die US-Dominanz in der Welt zu erhöhen. Einmal hatte er die Kraft Widerstand zu leisten, er tat es" in Georgien.
Clintons Administratoren argumentieren, dass die Expansion der NATO keine militärische Drohung darstellt, und nicht mehr ist als ein freundliches Entgegenkommen den früheren russischen Satelliten zu erlauben der EU bei zu treten (Talbott). Das ist schwerlich überzeugend. Österreich, Schweden und Finnland sind in der EU aber nicht in der NATO. Wenn der Warschauer Pakt überdauert hätte und sich Lateinamerikanische Länder einverleiben würde - ausgenommen Kanada und Mexiko - die U.S.A. würde nicht leicht zu überzeugen sein, das der Pakt bloß eine Quäker Versammlung ist. Es gibt an sich keinen Bedarf die Aufzeichnungen über die U.S. Gewalt nochmals durch zusehen, die die großteils phantastischen Beziehungen zu Moskau blockieren in "unserer kleinen Region hier herüben", der westlichen Hemisphäre, um Kriegsminister Henry Stimson zu zitieren, als er erläuterte, dass alle regionale Systeme aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg abgebaut werden müssen, außer unser eigenes, das soll erweitert werden.
Um die Schlussfolgerung zu unterstreichen: In der Mitte der laufenden Krise im Kaukasus behauptet Washington, dass Russland militärische und nachrichtendienstliche Kooperation mit Cuba auf einem Level wieder aufnehmen könnte, die nicht entfernt den Beziehungen USA - Georgien nahe kommt, und keinen weiteren Schritt in Richtung einer signifikanten Sicherheits-Bedrohung darstellt.
Darüber hinaus wird hier Raketen Abwehr als etwas gutartiges präsentiert, obwohl führende US Strategie-Analysten erklärten, warum russische Planer die Systeme und ihre ausgewählten Standorte als Basis einer potentiellen Bedrohung der russischen Abschreckung ansehen müssen, folglich im Effekt Erstschlag Waffen darstellen. Die russische Invasion Georgiens wurde als Vorwand genützt Abkommen zur Aufstellung der Systeme in Polen abzuschließen, somit "eine Streitfrage abzufedern, die von Moskau wiederholt vorgebracht und von Washington zurückgewiesen wurde: dass das wahre Ziel des Systems Russland ist," wie Associated Press Kommentator Desmond Butler anmerkte.
Matlock steht nicht allein bezüglich des Kosovo als einem wichtigen Faktor. "Die Anerkennung von Süd Ossetiens und Abchasiens Unabhängigkeit wurde gerechtfertigt über des Prinzip des Rechts einer misshandelten Minderheit auf Abspaltung - das Prinzip das Bush für den Kosovo eingeführt hat", so der Kommentar der Herausgeber des Boston Globe.
Aber da ist eine entscheidende Differenz. Strobe Talbot räumt ein dass "da eine gewisse Reaktion mitspielt auf das was U.S. und NATO im Kosovo vor neun Jahren getan haben", aber er insistiert darauf, dass die "Analogie total und vollkommen fasch ist". Niemand ist in einer besseren Lage zu wissen, warum das total falsch ist, und er hat einleuchtend die Gründe erklärt, in seinem Vorwort zu einem Buch über das NATO-Bombardement auf Serbien von seinem Kollegen John Norris. Talbott schreibt, dass diejenige, die wissen möchten "wie die Ereignisse aussehen und sich anfühlen während der Zeit für die unter uns die involviert sind" in den Krieg, sollten sich Norris gut informierten Bericht ansehen. Norris kommt zum Schluss, "es war Jugoslawiens Widerstand gegen den breiteren Trend der politischen und ökonomischen Reform - nicht die Notlage der Kosovo Albaner - das erklärt den NATO Krieg am besten".
Dass die Motive für die NATO Bombardierung nicht "die Notlage der Kosovo Albaner" sein konnte war bereits klar durch umfangreiche westliche dokumentarische Berichte, die enthüllten, dass die Gräueltaten weitaus überwiegend die vorweg genommenen Konsequenzen der Bombardierung waren, nicht ihre Ursache. Aber selbst bevor die Berichte frei gegeben wurden sollte es evident sein, für alle außer den glühendsten Loyalisten, dass humanitäre Angelegenheiten die U.S. und Britannien schwerlich motiviert haben könnten, die in der selben Zeit Gewalttätigkeiten entschiedene Unterstützung verliehen weit jenseits von dem was aus dem Kosovo berichtet wurde, mit einem Hintergrund weitaus entsetzlicher als alles, was auf dem Balkan geschehen ist. Aber das sind bloß Fakten, daher ohne Bedeutung für Orwell's "Nationalisten" - in dem Fall, der Großteil der westlichen intellektuellen Community, die ein enormes Investment in ihre Selbst-Glorifizierung und in Ausflüchte gemacht hat über die "edle Phase" der U.S. Außenpolitik und ihr "heiligmäßiges Glühen" als das Ende des Milleniums nahte, mit der Bombardierung Serbiens als dem Juwel in der Krone.
Trotzdem, es ist interessant aus der höchsten Ebene zu hören, dass der tatsächliche Grund für die Bombardierung darin lag, dass Serbien in Europa einen Alleingang gegenüber den politischen und ökonomischen Programmen der Clinton Administration und ihrer Alliierten ausgehalten hat, daher wird es noch eine lange Zeit dauern bis einem derartigen Ärgernis die Aufnahme in den allgemeinen Kanon erlaubt ist.
Da gibt es natürlich weitere Differenzen zwischen Kosovo und den Regionen von Georgien, die nach Unabhängigkeit oder einer Union mit Russland rufen. Bisher ist nichts bekannt, dass Russland riesige Militärbasen hat, benannt nach Helden der Invasion in Afghanistan, und vergleichbar mit Camp Bondsteel in Kosovo, benannt nach einem Vietnamkriegs-Helden und vermutlich ein Teil des gewaltigen U.S. Basensystem das auf die Energie produzierenden Regionen des Mittleren Ostens zielt. Und da sind viele andere Differenzen.
Da wird viel geredet über einen "neuen Kalten Krieg" angezettelt durch das brutale Russische Vorgehen in Georgien. Man kann nicht fehl gehen durch solche Zeichen der Konfrontation alarmiert zu sein, darunter neue U.S. Marine Kontingente im Schwarzen Meer - das Gegenstück davon würde in der Karibik kaum toleriert werden. Die Anstrengungen die NATO in die Ukraine auszudehnen, die nun überlegt werden, könnten extrem riskant werden.
Nichtsdestotrotz, ein neuer Kalter Krieg ist unwahrscheinlich. Um diese Aussicht zu bewerten, sollten wir mit einem klaren Blick auf den alten Kalten Krieg anfangen. Fiebernde Rhetorik beiseite, in der Praxis war der Kalte Krieg ein stillschweigender Pakt in dem jeder Teilnehmer weitgehend frei war notfalls mit Gewalt und Subversion den eigenen Bereich zu kontrollieren: Russland, seine östlichen Nachbarn; die globale Supermacht, den Großteil der Welt. Die menschliche Gesellschaft muss nicht dauerhaft sein - und wird möglicherweise nicht überleben - eine Wiederauferstehung von allem was dem gleicht.
Eine sinnhafte Alternative ist die Gorbatschow Vision, zurückgewiesen durch Clinton und untergraben durch Bush. Einen vernünftigen Rat in die Richtung hat neulich der frühere israelische Außenminister und Historiker Shlomo ben-Ami gegeben als er im Beiruter Daily Star schrieb: "Russland muss eine ernsthafte strategische Partnerschaft mit den U.S. suchen, und letztere müssen begreifen, dass ein ausgeschlossenes und verachtetes Russland ein bedeutender globaler Spielverderber sein kann. Ignoriert und gedemütigt durch die U.S. seit Ende des Kalten Kriegs braucht Russland die Integration in eine neue globale Ordnung, die seine Interessen als wiederauflebende Macht respektiert, nicht eine anti-westliche Strategie der Konfrontation."

P.S. - Den Originaltext findet man auf der offiziellen Web-Site von Noam Chomsky unter der Adresse: chomsky.info in Rubrik 'articles' unterm Titel 'Ossetia-Russia-Georgia'. Die Site enthält eine große Zahl von Chomsky Texten online. Sie wird mit dem Ziel der Würdigung von "Chomsky's work and encouraging activism worldwide" zur Verfügung gestellt. Bei gewerblich kommerzieller Nutzung gilt "for copyright issues, contact":

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Zusammenfassung der Diplomarbeit von Mag. Bernhard Höbart
Der Windische Potukel
Implizite und explizite Vorurteile zwischen den Kärntner Volksgruppen


Der Ortstafelkonflikt in Kärnten besteht nun schon seit mehr als 50 Jahren. Das ist für Außenstehende – und auch für so manche KärntnerIn – nur schwer nachzuvollziehen. Die Gründe dafür liegen zum Teil in den Einstellungen der Kärntner Volksgruppen zueinander, nämlich die der Kärntner SlowenInnen und jene der Deutsch-KärntnerInnen. Diese Einstellungen - genauer gesagt Vorurteile oder Stereotypen - rühren einerseits aus der Zweisprachigkeit - Deutsch und Slowenisch - als wesentliches Unterscheidungsmerkmal beider Gruppen und andererseits aus der Geschichte Kärntens.
An dieser Stelle sei ein kleiner Exkurs in die Kärntner Vergangenheit gestattet. Bis ins 15. Jahrhundert lebten die beiden Sprachgruppen friedlich miteinander. Erste Differenzialisierungstendenzen entstanden in dieser Zeit mit dem Protestantismus, dem die deutschsprachige Bevölkerung in Kärnten rege zusprach. Die Slowenischsprachigen, damals „Windische“ genannt, blieben überwiegend dem katholischen Glauben treu. Jene Glaubensspaltung hatte bis ins 19. Jahrhundert noch keine Auswirkungen auf das Zusammenleben der Volksgruppen. Erst in dieser Zeit, als erstens Kärnten in den Villacher Kreis mit Hauptstadt Laibach und den Klagenfurter Kreis mit Gubernium Graz geteilt wurde, und zweitens nationalistische Gedanken aufkamen, in denen Identität nicht mehr in der Zugehörigkeit zu einem Stand sondern zu Nationen gesucht wurde, entbrannte der Konflikt. Der slawische Bevölkerungsanteil der Monarchie wollte als Gegengewicht zu Österreich-Ungarn einen eigenen Staat gründen, zu dem der zweisprachige Süden Kärntens dazugehören sollte.
Diese Bestrebungen konnten trotz mehrmaliger Versuche - einmal nach dem ersten Weltkrieg, als die Teilung Kärntens einem Abwehrkampf und einer darauf folgenden Volksabstimmung erlag und einmal nach dem zweiten Weltkrieg, als die Besatzungsmacht Großbritannien das verhinderte - nicht umgesetzt werden. 1955 wurde Österreich von den Besatzungsmächten verlassen und erhielt den Staatsvertrag, in welchem den Minderheiten, wie den Kärntner SlowenInnen, besondere Rechte zugestanden wurden, unter anderem das Recht auf die topographischen Bezeichnungen in ihrer Sprache, also zweisprachige Ortstafeln. Weil die Deutschkärntner aber noch immer den Anschluss Südkärntens an Jugoslawien befürchteten, was sich ihrer Meinung nach in den zweisprachigen Ortstafeln ausdrückte, lehnten sie - und viele tun es bis heute, trotz des Zerfalls Jugoslawiens und dem Beitritt Sloweniens zur Europäischen Union - zweisprachige Ortstafeln ab.
Vor diesem historischen Hintergrund und aufgrund einer durch den Kärntner Abwehrkampf geprägten kulturellen Identität scheinen negative Einstellungen, wie Vorurteile und Stereotypen in beiden Bevölkerungsgruppen nicht weniger zu werden.
Aber was sind Einstellungen überhaupt? „Einstellungen sind ein generelles, andauerndes positives oder negatives Gefühl eines Individuums einem Objekt oder einem Sachverhalt gegenüber.“ (Petty & Cacioppo, 1986) Sie helfen uns, uns in der Flut der auf uns einströmenden Eindrücke zurechtzufinden. Einstellungen regeln unser soziales Verhalten und soziale Handlungen durch innere Zustände, wie z.B. Kognitionen, Wahrnehmungen und Bewertungen und können als Verhaltensdispositionen verstanden werden. Sie beinhalten kognitive, affektive und konative (verhaltensmäßige) Komponenten und helfen uns durch ihre „Nützlichkeitsfunktion“ (Belohnungen zu erhalten bzw. Bestrafungen zu vermeiden), „Wissensfunktion“ (sie geben Orientierung) und durch ihre „Ichverteidigungsfunktion“ (Projektion, Rationalisierung, Verschiebung, etc.). Einstellungen sind nicht „angeboren“ sondern sie werden erlernt.
Vorurteile sind Einstellungen, die falsch, voreilig, verallgemeinernd und klischeehaft sind, nicht an der Realität überprüft wurden, meist eine extrem negative Bewertung beinhalten und stark Änderungsresistent sind. Sie beziehen sich auf Außengruppen und gründen in der affektiven Komponente der Einstellungen.
Stereotype basieren auf der kognitiven Komponente. Sie stellen schematische Modelle unserer sozialen Umwelt dar, die auf formelhaften Denkprozessen wie Kategorisierung, Übergeneralisierung, Akzentuierung und Evaluierung beruhen.
Explizite Einstellungen sind unserem Bewusstsein zugänglich. Unser Verhalten wird aber auch von unbewussten – impliziten – Einstellungen gesteuert, wie Forschungen der letzten 20 Jahre belegten. Die Spuren vergangener Erfahrungen beeinflussen unsere Handlungen auch dann, wenn sie nicht bewusst oder eben explizit erinnert werden. „Halo-Effekte“ (die Attraktivität einer Person z.B. beeinflusst unsere Bewertung ihr gegenüber positiv), „unmittelbare Einstellungen“ (z.B. höhere Sympathie zu einer von zwei unbekannten Fußballmannschaften schon in den ersten paar Spielminuten) oder „Kontexteffekte in der Befragungsforschung“ (Regenwetter beeinflusst die Frage nach Lebenszufriedenheit negativ) zeugen davon.
Ziel der vorliegenden Arbeit war es, zu ergründen, ob explizite mit impliziten Einstellungen zusammenhängen und ob Parameter wie slowenischsprachiges Aufwachsen bzw. Volksgruppenzugehörigkeit, Alter, Schulbildung, Geschlecht, Religionsbekenntnis und Slowenischunterricht die Ausprägung impliziter und expliziter Einstellungen beeinflussen.
Implizite Einstellungen wurden mit dem IAT Implicit Association Test (Greenwald et al., 1998) erhoben. Der IAT ist ein Computer-Testverfahren, bei dem die ProbandInnen deutsche oder slowenische Ortsnamen zur Zielkonzeptdimension „deutsch“ bzw. „slowenisch“ und positive oder negative Prüfwörter, wie „Liebe“, „Sonnenaufgang“, „Katastrophe“ oder „Missbrauch“ zur Attributsdimensionen“gut“ bzw. „schlecht“ zuordnen mussten. Die Dimensionen standen jeweils in der rechten bzw. in der linken oberen Bildschirmecke. Die Stimuluswörter, die im Bildschirmzentrum in zufälliger Reihenfolge erschienen, mussten so schnell wie möglich mit der A“-Taste nach links bzw. mit der „L“-Taste nach rechts zugeordnet werden. Dabei waren fünf Durchgänge zu je 20 Stimuluswörtern zu absolvieren, wobei im dritten und im fünften Durchgang beide Dimensionen kombiniert auftraten. Im dritten Durchgang standen die Dimensionen „slowenisch“ und „gut“ in der linken und „deutsch“ und „schlecht“ in der rechten oberen Bildschirmecke. Im fünften Durchgang waren die Konzepte vertauscht angeordnet, nämlich „deutsch“ und „gut“ in der linken und „slowenisch“ und „schlecht“ in der rechten oberen Bildschirmecke.
Die Testautoren gingen davon aus, dass wenn negative implizite Einstellungen gegen die jeweilige Zielkonzeptdimension (also gegen deutsch oder gegen slowenisch) vorlagen, die Zuordnung zur Kombination mit „schlecht“ schneller von Statten ging. Wenn z.B. eine ProbandIn implizite Vorurteile gegen DeutschkärntnerInnen hatte, war sie schneller, wenn die Kombination „deutsch“ und „schlecht“ in einer Ecke stand und „slowenisch“ und „gut“ in der anderen.
Die Testgröße D errechnete sich aus der Reaktionszeitdifferenz aus den Durchgängen 3 und 5 gebrochen durch die Streuung beider Zuordnungsgruppen und wies ein negatives Vorzeichen für implizite Vorurteile gegen Deutsch-KärntnerInnen und ein positives Vorzeichen für implizite Vorurteile gegen Kärntner SlowenInnen auf.
Explizite Vorurteile wurden mit einem spezifisch konstruierten Fragebogen gemessen, der an die Likert-Skala angelehnt war. Er umfasste 12 Items, die als Aussagen formuliert waren (z.B. „Die Deutsch-Kärntner sind Nationalisten.“ oder „Kärntner SlowenInnen sind mehr auf ihre Vorteile bedacht, als Deutsch-Kärntner.“) und mittels Zustimmung oder Ablehnung auf einer sechsstufigen Skala bewertet werden mussten (1 für „stimme überhaupt nicht zu“ 6 für „stimme sehr zu“). Eine Faktorenanalyse erbrachte die Faktoren 1 „Vorurteile gegen Kärntner SlowenInnen“, 2 „Vorurteile gegen Deutsch-KärntnerInnen“ und 3 „Selbst/Fremdbeurteilung bezüglich Andersheit der Kärntner SlowenInnen“. Darüber hinaus wurden zwei Items mit nominalem Skalenniveau und ein „Gefühlsthermometer“ verwendet, die gesondert ausgewertet wurden.
An der Erhebung nahmen 84 Personen teil, davon 28 Kärntner SlowenInnen, 25 Deutsch-KärntnerInnen, 6 Windische, 9 Personen, die sich zu „anderen“ zählten und 15 Personen, denen das „egal“ war. 46 Personen waren weiblich, 38 männlich und ihr Durchschnittsalter betrug 36,7 Jahre (s 15,15). Die Stichprobe war keine Zufallsstichprobe und daher auch nicht repräsentativ für die „Kärntner Bevölkerung“.

Ergebnisse
Vorangestellt seien die Ergebnisse des IAT, auf welche die Daten des Fragebogens (für die expliziten Vorurteile)und letztlich die Zusammenhänge beider Ergebnisse folgen sollen.
Im IAT wiesen Deutsch-KärntnerInnen (MD = 0,61 und sd = 0,28) und Kärntner SlowenInnen (MD = -0,35, sd = 0,56) signifikante Unterschiede auf (p = .000; df = 51). Die Kärntner SlowenInnen zeigten negative implizite Einstellungen sowohl gegenüber Deutsch-KärntnerInnen als auch gegenüber ihrer eigenen Volksgruppe, ähnlich den Windischen und jenen, die sich keiner Gruppe zuordnen wollten. Lediglich die Deutsch-KärntnerInnen wiesen implizite Vorurteile ausschließlich gegen die Kärntner SlowenInnen auf.
Über die Altersgruppen hinweg betrachtet, hatten Personen im Erwachsenenalter (30 bis 50 Jahre) signifikant niedrigere implizite Vorurteile als die TeilnehmerInnen der übrigen Altersgruppen. Andere Parameter, wie Geschlecht, Religion, Schulbildung und Slowenischunterricht hatten keine Auswirkung auf die Ausprägung impliziter Vorurteile.
Die Stärken der expliziten Vorurteile (gemessen mit dem Fragebogen) sind in der folgenden Tabelle über die mittleren Faktorladungen ausgewiesen, die aus der Faktorenanalyse über den Fragebogen resultierten. Werte um 0,2 und darüber zeigen starke Vorurteile, schwache hingegen liegen unter 0.
Deutsch-KärntnerInnen wiesen mit 0,84 sehr hohe explizite Vorurteile gegen Kärntner SlowenInnen auf, höhere als umgekehrt (0,18 für Kärntner SlowenInnen gegen Deutsch-KärntnerInnen). Im Faktor 3 „Selbst/Fremdbeurteilung bezüglich Andersheit der Kärntner SlowenInnen“ sahen sich die Kärntner SlowenInnen mit dem Wert 0,34 als unterschiedlicher als sie von den übrigen Gruppen bewertet wurden.
Explizite und implizite Vorurteile über die Volksgruppen hinweg IAT - Gefühls-
Effekt thermo-
Volksgruppen n "D" sd Faktor1 sd Faktor 2 sd Faktor 3 sd meter sd

Kärntner SlowenInnen 28 -0,35 0,56 -0,70 0,32 0,18 1 0,34 0,84 1,64 1,13
Deutsch KärntnerInnen 25 0,61 0,28 0,84 1,1 0,04 1 0,2 1 4 1,61
Windische 6 0,25 0,45 -0,10 0,72 -0,13 1,14 -0,48 1,4 2,83 0,98
Andere 9 0,25 0,85 0,26 1,15 -0,18 1 -0,16 0,89 3,44 1,13
Mir ist das egal. 15 0,31 0,65 -0,01 0,65 -0,14 0,86 -0,67 0,85 3 1,24

Anmerkung: n = Anzahl der Personen, IAT Implicit Association Test. D errechnete sich aus Mittelwertsdifferenzen dividiert durch
die gepoolte Standardabweichung beider Durchgänge. Die Werte in den Zellen sind Mittelwerte der Personen einer Volksgruppe.
Positive Werte bezeichneten negative implizite Vorurteile gegenüber Kärntner SlowenInnen, negative Werte bezeichneten negative
Einstellungen gegenüber Deutsch - KärntnerInnen.
Faktor1: explizite Vorurteile gegen Kärntner SlowenInnen, Faktor2: explizite Vorurteile gegenüber Deutsch - KärntnerInnen,
Faktor3: Selbst/Fremdbeurteilung bezüglich Andersheit der Kärntner SlowenInnen, Gefühlsthermometer: Zellen zeigen Mittelwert
der Personen einer Volksgruppe.
Die Faktoren beinhalten mit Mittelwerte der Faktorwerte aller Personen einer Volksgruppe. sd = Standardabweichung der
Mittelwerte der Faktorenwerte aller Personen einer Volksgruppe.

Die Ergebnisse des Gefühlsthermometers „Welche Temperatur empfinden Sie wenn sie das Wort „Kärntner Slowenen“ hören?“ (1 = warm und angenehm, 7 = kalt und unangenehm) zeigten die Kärntner SlowenInnen mit (M = 1,64) einen erwartungsgemäß niedrigen, die Deutsch-KärntnerInnen mit M = 4 einen doch recht hohen Wert.
Das nominalskalierte Item 6 im Fragebogen lautete: „Hätte ich an der Volksabstimmung 1920 teilgenommen, hätte ich wahrscheinlich angekreuzt, dass Kärnten zu folgendem Staat gehören sollte: 1.) Österreich, 2.) Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen.“ gestalteten sich derart, dass für einen Verbleib bei Österreich 67 Personen (85 %) gestimmt hätten und für den Anschluss an das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen 12 Personen (15 %). Zu letzterer Gruppe zählten sich 10 Kärntner SlowenInnen und 2 ProbandInnen aus der Gruppe „andere“.
Die Frage 12 „Wenn Sie heute entscheiden müssten, in welchen Orten zweisprachige Ortstafeln aufgestellt werden sollten, wie würden Sie entscheiden? 1.) Es soll so bleiben, wie es jetzt ist. 2.) Es soll so werden, wie es die Kärntner Slowenenvertretungen vorschlagen. 3.) Alle Ortstafeln im zweisprachigen Gebiet sollen zweisprachig werden. 4.) Alle Ortstafeln in Kärnten sollen einsprachig Deutsch werden. und 5.) Der Artikel 7 des Staatsvertrages 1955 soll umgesetzt werden.“ zeigte, dass 62 von 84 Personen für die Aufstellung zweisprachiger Ortstafeln waren, darunter alle 28 Kärntner SlowenInnen und auch 12 (von 25) Deutsch-KärntnerInnen. Allerdings waren auch 10 Personen für einsprachig deutsche Ortstafeln.
Signifikante Zusammenhänge zwischen impliziten und expliziten Vorurteilen konnten nur zwischen den expliziten Vorurteilen gegen Kärntner SlowenInnen (Faktor 1 des Fragebogens) und den impliziten Vorurteilen (rspearman = .513) und zwischen dem Gefühlsthermometer und den impliziten Vorurteilen (rspearman = .376) gefunden werden. Der quasi nicht vorhandene Zusammenhang zwischen dem Faktor 2 (explizite Vorurteile gegen Deutsch-KärntnerInnen) und dem IAT von rspearman = -.040 lag vermutlich an den ambivalenten Ergebnissen der Kärntner SlowenInnen im IAT.
Die Ergebnisse werfen die grundlegende interpretative Frage auf, inwieweit und zu welchen Teilen mit dem IAT eher (1) individuelle Einstellungssysteme, (2) breitere soziale Repräsentationen oder aber (3) basale vertraut/fremd-Relationen abgebildet werden. Es zeigen sich tendenziell eher negative Haltungen der Volksgruppen zueinander. Das erprobte psychologische Testverfahren ermöglicht es den Niederschlag des Konfliktes in individuellen Einstellungen zu erfassen. Ein wesentlicher Beitrag der Arbeit liegt in der empirisch begründeten Differenzierung des Begriffes „Einstellung“. Erst eine solche Differenzierung kann dazu beitragen, herauszufinden wie negative Einstellungen verändert und insbesondere wie solche Veränderungen festgestellt werden können.



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